„Whisky.“ „Claro.“ – Wie ich eine der gefährlichsten Straßen der Welt überlebte

Me on the back of a truck
Me on the back of a truck

Nach meinen zwei aufregenden Tagen im bolivianischen Hochland war ich wieder zurück auf geteerter Straße. Der Illusion folgend, dies würde bis Coroico so bleiben, startete ich in den Tag. Wie immer aus der Stadt rauslaufen. Diesmal Oruro. Auf dem Weg nach draußen kam ich an einem Bus vorbei. Ein paar Menschen standen vor den offenen Gepäckklappen und luden neben Koffern auch tote Schweine aus. War anscheinend der tote Schweine Tag in Oruro. 20 Minuten Fußmarsch später kam ich an einem Taxi vorbei, was bis unter die Decke mit toten Schweinen beladen war.

Trampen lief ganz gut, drei schnelle Lifts zur Polizeikontrolle hinter der Stadt, zwei andere Tramper überholt und dann noch einen LKW angehalten, der bis zu meiner nächsten Kreuzung fuhr, von wo aus ich dann wieder auf kleinen Straßen weiterreisen sollten. Sehr zufrieden saß ich im LKW und beobachtete gedankeversunken die Landschaft. Ich hab noch über die letzten zwei Tage resümiert und mir überlegt, was ich alles in den Blogartikel packe, als es auf einmal einen riesen Schlag tut. Ich war so erschrocken, der LKW zieht sofort nach links. Mein Fahrer hat Mühe ihn in der Spur zu halten. Linker Vorderreifen geplatzt. Wir halten an, steigen aus, starren ungläubig auf den kaputten Reifen. Mein Fahrer fängt an zu telefonieren, ich helfe ihm noch die Reifenteile von der Autobahn zu räumen und laufe dann mal weiter. Kann noch dauern, bis der wieder fährt. Zum Glück hielt das dritte Auto an und nahm mich zu meiner Kreuzung mit.

Danach folgte erstmal geteerte Straße. Welch Entspannung. Ich sah mich schon gegen Mittag an der Death Road ankommen und gegen Abend hinter La Paz sein. Durch ein paar Dörfer ging es gut, dann starb der Verkehr. Ich hatte einen Lift mit einem Lastwagen auf der Ladefläche. Die Jungs bogen auf einmal ab: Ich musste mich schnell bemerkbar machen, damit ich nicht in die falsche Richtung fahre. Habe über mehrere Serpentinen einen Berg erklommen, ein paar Hunde gesichtet, mich gefragt, was diese Hunde hier im nirgendwo fressen und das Panorama genossen. Nach 28 Minuten laufen hielt ein Nissan an.

Atemberaubender Abstieg in das schönste Gebirge von Südamerika

Der Fahrer war erst etwas stutzig. Ich hab mal wieder kein Wort verstanden. Irgendwie hab ich es aber doch ins Auto geschafft. Wir fuhren los. Dachte er fährt in die nächste Ortschaft oder so. Die Straße führte bergab. Ich schätze wir waren auf 5000+ Meter. Bis ich Ausstieg sollten wir auf unter 2200 sein. Die Straße war….ich kann es garnicht anders sagen….der Hammer. Sie führte in säuberlich geteerten Serpentinen hinunter nach Quime. Wir überholten ein paar Busse und irgendwann tat sich dann dieser riesige, nicht enden wollende Abgrund vor uns auf, den wir Stück für Stück mit dem klapprigen Auto bewätligten. Diese Passage war schon der absolute Hammer. Aber ich wusste ja nicht, das mich noch das gesamte Yungas Gebirga erwarte wird. Angekommen in Quime (die Stadt war noch nicht mal auf meiner Karte) fand sich eine wunderbar am See gelegene Kleinstadt mit Alpenfeeling und freundlicher Vegetation. Ich war ganz entzückt wie schön es auf einmal war. Wir waren nun mitten im Yungas Gebirge.

Abstieg nach Quime
Abstieg nach Quime

Am Ortsende folgten wir einem kleinen Schotterweg und fuhren eine Tankstelle an. Auf die Frage wie weit wir noch unterwegs sei, antwortete mein Fahrer: „2 Stunden mehr“. Bombenlift also. Was mir aber dann erst klar wurde, dass der kleine Schotterweg kein Schleichweg zur Tanke war, sondern eher die Hauptstraße für die nächsten 400km. Ich ahnte vorher schon, dass diese Route einen Haken hat. Und da war er. Aber wir fuhren in den Yungas und meine Begeisterung kannte keine Grenzen.

Yungas ist eine Gebirgskette, die sich von tropischen 500 Metern rauf in die 4000+ Meter hohe Hochebene nach La Paz zieht. Es gibt den nördlichen Yungas und den südlichen Yungas. Beide Gebirgsketten werden von einem Fluß getrennt. Die Straße verläuft prinzipiell mitten am Berg. Das bedeutet, es geht ab und zu mal ein paar hundert Meter direkt neben dem Auto runter. Es ist wunderschön grün, man hat ständig eine atemberaubende Aussicht, ein bißchen Todesangst und…..es ist schwer zu beschreiben. Sagen wir einfach es ist so ziemlich das schönste Gebiet, was ich bisher in meinem Leben durchquert habe.

Drei Stunden kurvte ich mit meinem Fahrer und seinem Nissan durch die Berge. Zwischendurch Polizeikontrolle. Die wurden natürlich geschmiert. Kurzer Smalltalk, dann weiter. Eine Oma am Marktplatz die mit wollte wurde abgewimmelt. Ein paar Ortschaften später wieder eine Oma am trampen. Mein Fahrer seufzt, frei nach dem Motte: „Nagut, ruff mit der Alten.“ Oma auf die Ladefläche geladen und weitergefahren. Als wir ankamen hab ich mich für ca. 60 Cent mit soviel Essen ausgestattet, wie ich tragen konnte und lief mal wieder los durch die Ortschaft und ab über die nächsten Bergpässe. Dabei ist mir das Erste mal aufgefallen, dass ich hier ja mitten im Jungle bin. Bananenpflanzen, Orangenbäume am Wegesrand, die zum pflücken einluden. Seit Monaten nur karges Hochland und dann sowas. Und ich kann hier ja draußen schlafen!!

Yungas roads
Yungas roads

Es folgt ein klassisch, wahnsinniger Nachtlift

Meine Wanderung dauerte auch erstmal 2,5 Stunden…aber mit Genuss. Verkehr war ein bißchen. Vielleicht 4-5 Autos. Irgendwann habe ich ein kleines verlassenes Steinhaus am Straßenrand im Gebüsch entdeckt. Es sollte mein Nachtlager werden. Noch ein paar Vokabellisten abgeschrieben, Zigarette geraucht, die Abendtoilette begangen….ich war bereit zu schlafen und es war auch schon dunkel. Aber ein Auto kam noch. Hand raus….es hält an. Zwei Menschen schauen mich an. Offensichtlich ein Taxi. Ich erkläre, dass ich kein Geld für Transport habe. Anscheinend kein Problem für die Beiden. „Wo geht’s denn hin?“ „DaundDa.“ „Ist das ein Dorf oder eine Stadt?“ „Ein großes Dorf.“ „Keine Ahnung wo das liegt, aber auf geht’s.“ Rein in die gute Stube. Und was hier folgt sind solche Nacht-Lifts, für die ich das Trampen liebe.

Erste Beobachtung: Der Beifahrer war total dicht. Aber sowas von total dicht. Er konnte sich kaum auf dem Sitz halten, schwankte immer hin und her, traktiert von den Kurven und Schlaglöcher. Ich hab ihn schon ins Auto kotzen sehen und hielt mich bereit. Erste Theorie war, dass er auf einem Dorffest war und sich abgeschossen hat und nun nach Hause fährt. Dann obligatorische Pinkelpause. Kollege Besoffen musste dann auch erstmal scheißen gehen. Ich hatte um Glück Klopapier dabei, zur Freude der gesamten Besatzung.

Wir fuhren weiter. „EY Amigo, mi Amigo, Ey“, er versuchte mit mir zu reden, ich lächelte zurück und er steckte mir 30 Pesos zu, weil er dachte ich hatte kein Geld. Das war mir höchst unangenehm. Aber gut. Aussitzen Stefan, Aussitzen. Solange das Auto fährt, ist alles gut. Während ich noch über das Geld nachdenke, kippte die Stimmung etwas. Mr. Betrunken hatte mich in sein Haus eingeladen und der Fahrer (Efrain) diskutierte mit ihm. Das Gespräch verlief folgendermaßen:

Efrain: „Schau doch mal. Er spricht sehr schlecht Spanisch und versteht nichts. Und du benimmst dich hier wie der Allerletzte, hast eine unschöne Sprache und bist total betrunken. Was soll er denn jetzt von uns denken? Da kommt er in unser Land, er ist gebildet, war auf der Schule, Universität und dann findet er dich hier.“

Suffi: „NEIN NEIN NEIN; das stimmt nicht, er ist mein Freund.“

Efrain: „Er versteht dich nicht.“

Suffi: „Morgen reden wir! Morgen!“

Nächster obligatorischer halt in einem anderen Dorf. Tanken. Efrain lief in irgendein Haus, kam mit einem Kanister und einem Stück Gartenschlauch wieder. Anzapfen und laufen lassen. Tanken in Bolivien eben. Suffi hatte ich eine Zigarette angeboten, die rauchte er gerade mit mir und erklärte, dass die Zigaretten sehr stark sind und er sich nicht an seinen Namen erinnern kann (hatte ihn vorher mehrmals nach seinem Namen gefragt). Efrain forderte ihn auf, doch drei mal Huhn für uns zu kaufen, aber Suffi hatte kein Geld mehr. Das hatte ich ja. Weiter gings.

Wir kamen dann in den Ort wo Suffi wohnte und da er mich mindestens 10 mal zu sich nach Hause eingeladen hatte, war nun die Stunde der Wahrheit. Der Ort war höchst unsympathisch. Als Suffi Ausstieg und seine Sachen zusammensuchte, setzte ich zum taktischen Ausweichmanöver an. „Schläfst du hier oder fährst du wieder zurück?“, fragte ich Efrain. „Nein nein, ich fahre weiter?“ „Ach weiter, wohin?“ „Irupana.“ „Ah……ja…weiter…..ähm….hör mal Amigo….er fährt weiter…vielleicht….besser wenn ich mitfahre….weil es ja näher an meinem Ziel ist, weißt du. Nicht böse sein, danke für deine Gastfreundschaft, aber du brauchst Schlaf und er fährt ja weiter….nech?“

Suffi verstand das, nachdem Efrain noch etwas weitergeholfen hatte. Ich nahm vorne Platz, wir fuhren los, die Gesamtstimmung im Auto war Erleichterung und Efrain war auch froh, dass ich nicht mitgegangen bin. „No es muchacho.“, meinte er nur. Das Erste was ich versuchte war, ihm die 30 Pesos anzudrehen, aber er meinte nur, ich solle mir davon essen kaufen.

Alkohol und korrupte Polizei

Und dann ging die Nacht erst richtig los. Erste obligatorische Pinkelpause. Efrain hatte noch eine halbe Flasche Whisky und Cola, die mixte er zusammen, versicherte mir, dass er gerne ein bißchen trinkt, aber nicht so viel wie der Kollege. Danach erzählte er mir auch die Story, nämlich dass die beiden seit mehreren Tagen unterwegs waren und ein Auto in Arequipa bei Chile verkauft haben. Zigaretten an, Whisky hinter die binde gekippt und los fuhr der Spaßexpress. Zu meiner guten Laune trug außerdem bei, dass ich endlich verstanden hatte, wo er hinfuhr. Nämlich noch zwei Stunden weiter in meine Richung. BÄM!

Am ersten Ort war der Spaß aber schon wieder vorbei. Efrain hielt an, weil ein Reisebus auf der Straße stand und gerade einparkte. Er macht die Lichter aus, ich fragte ob er Feuer will und er wimmelte mich nur ab: „Nono…psscht….policia.“ Polizeikontrolle. Aus Spaß wurde ernst. Er wartete bis der Bus einparkte und fuhr los, um sich durchzumogeln. Leider war nicht genug Platz auf der Straße. Wir mussten zurücksetzen und einen anderen Weg fahren. Natürlich warteten die Kollegen nun schon auf uns.

Efrain, Gringo….Geld. Efrain schmierte die Kollegen, aber es war anscheinend nicht genug. Er kam ins Auto und fragte mich nach den 30 Pesos, die ich gerne für diesen guten Zweck hergab. „Listo“, bereit. Kann weitergehen. Da kam aber irgendeine penetrante Frau ans Fenster und stellte irgendwelche Fragen. Solche Art von Menschen die immer in alles und überall ihre Nase reinstecken. Schwups, auf einmal hatten wir eine Frau mit Kind und einen alten Mann hinten drin sitzen. Efrain war sichtlich gestresst, für unruhiger und wir sollten ca. eine Stunde Umweg fahren.

Weiter gings also über die Bergstraßen. Wir tranken, um die Nerven zu beruhigen. „Whisky.“ Kommando an mich. „Claro.“ Einen für Efrain, einen für mich. Beim Ersten hat er noch moniert es sei zuviel, daher danach immer nur kleine Schlückchen Whisky-Cola. Ich sah mich gezwungen mit ihm zu trinken, zu Sicherheit aller Beteiligten. Aber da die Nacht schon wieder total am eskalieren war, machte sich bei mir auch ein Scheiß-Egal Gefühl breit. Nach 4-5 Whiskeys hatten wir alle Passagiere heile nach Hause gebracht und fuhren wieder in trauter Zweisamkeit weiter. Problem war nur, dass Efrain anscheinend genauso wenig den Weg kannte, wie ich.

Und wo wird geschlafen?

Pinkelpause. „Whisky.“ „Claro.“ Ich war schon leicht beschwippst. Irgendwann ging das Licht im Auto an und ich erkannte, das Efrain anscheinend schon ordentlich einen sitzen hatte. Ob ich fahren kann? Ja, klar. Leider hab ich nie das Steuer in die Hand bekommen. War aber vielleicht auch besser so. Der Wagen setzte regelmäßig auf der schwierigen Straße auf. Die steilen Abhänge waren zum Glück aufgrund von Dunkelheit nicht zu sehen. Der letzte Whisky war geleert, in einem Dorf fragten wir nach dem Weg und Efrain erkundigte sich über kommende Polizeikontrollen. Wir hatten beide kein Geld mehr, er erklärte mir, was ich sagen soll, ich verstaute meine Kamera (man weiß ja nie) und angespannt fuhren wir weiter. Zum Glück war es nur eine Patrouille und keine feste Polizeikontrolle. Und die erreichte uns nie.

Wir unterhielten uns prächtig und erreichten schließlich das besagte große Dorf. Ratlos hielten wir an, ich schnorrte noch eine Zigarette bei Efrain. „Oder soll ich dich noch mitnehmen in mein Dorf?“ Klingt nach Schlafplatz. „Wie weit?“ „5 km“ „Claro.“. Wir setzen noch mindestens 10 mal auf, die Straße wurde immer schlechter und nach weiteren 50 Minuten erreichten wir sein Dorf. Zu meiner Überraschung hielt er am Marktplatz an und ließ mich raus. Ich hatte noch nie Glück mit Schlafplätzen, aber auch nie ein Problem Nachts weiterzutrampen. Vielleicht hängt das zusammen. Ich verabschiedete und bedankte mich recht herzlich bei Efrain und lief in die Nacht.

Geschlafen hab ich einen Ort weiter auf der Terrasse eines kleinen Gemeindehauses. Am Morgen versammelte sich eine Gruppe kleiner Kackbratze an der Straßenseite und machten ordentlich Lärm. Ein Mädchen rief ständig irgendwas. Ich hatte keine Ahnung was. Dachte mir aber, dass ihre Freundin bestimmt nicht zu Hause ist und ob sie nicht mal endlich die Schnauze halten kann. Die ganze Nacht hat mich eine viel zu laute Mücke terrorisiert, die einfach nicht essen wollte und nun irgendwelche Kinder die nach ihren Freunden rufen. Irgendwann hörte ich dann nur „Gringo.“ und mir wurde klar, dass die wohl die ganze Zeit nach mir rufen. Meine Tarnung schien aufgeflogen. Aussitzen Stefan. Die Kackbratzen verschwanden alsbald. Zusammenpacken, übers Geländer klettern, erste Auto hielt an in die nahe gelegene Stadt.

Da war Markt und ich gönnte mir erstmal ein herrliches Street Food Frühstück, hielt überall mal an, kaufte etwas. Kuchen, Käse Empanadas und lecker gefüllte Knödel-Kartoffel-Symbiose. Lift raus aus der Stadt gefunden. Zähne geputzt. Und dann losgelaufen. Laufen war hier ganz und garnicht so toll, wie ich nach 30 Minuten feststellen musste, als ich von oben bis unten zugestaubt war. Angehalten hat auch nichts. Insgesamt vier Stunden Fußmarsch sollten vor mir liegen. Immer vom Interesse angetrieben, was denn hinter dem nächsten Berg kommt und wie es da aussieht. Nach drei Stunden hatte ich schon zwei Liter Wasser geleert. Unbarmherzig rauschten die großen und kleinen Busse an mir vorbei und wirbelten immer mehr Staub auf.

Irgendwann erbarmte sich ein Taxi. Alte Leier, kein Geld für Transport…ja kannst mitfahren. Letzte Kreuzung vor meinem Zielort. Fisch zum Mittag gegessen, neues Wasser gekauft. Weiterlaufen. Lift in einem kleinen Jeep mit vier Bolivianern angequatscht, mitgefahren, fast Unfall gebaut, letzte Stadt vor meinem Zielort erreicht. Weitergelaufen. Wieder ein Taxilift mit zwei alten Herren und einem sehr sehr netten Taxifahrer. Von dem Dorf wo wir hinfuhren seien es drei Stunden zu Fuß nach Coroico. Klingt gut dachte ich. Losgelaufen und wieder fast ein Taxi nach Coroico gekriegt, aber die sind weitergefahren.

Fensterblick aus meinem Hostel in Coroico
Fensterblick aus meinem Hostel in Coroico

Der gefährlichste Lift der Welt auf der gefährlichsten Straße der Welt

Während dem Laufen dachte ich mir dann so, ich kann jetzt alles stoppen, was mich näher bringt. Auch Motorräder. Das Erste hielt nicht an. Dann kam ein Motorradfahrer in Tarnkleidung um die Kurve gebrettert und hielt an. Yeah. Und was nun folgt, ist dann wohl der passende Abschluss für diese total verrückte Yungas Tour.

Mein Lift war ein Polizist. Ich hätte schon merken sollen, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, als er vom Motorrad abstieg, anfing mit mir zu reden und währenddessen gegen sein eigenes Motorrad schiffte. Manchmal hab ich aber ne recht lange Leitung. Er war mir auch etwas unsympathisch, aber ich kann so schlecht Lifts ablehnen und diskutier auch nicht gerne mit Ordnungsbehörden. Also hinten druff. Nene, enger ranrücken und arme um meinen Bauch schlingen. Das war nicht so homoerotisch, wie es sich anhört.

Als wir losfuhren und Aris mit mir anfing zu reden, bemerkte ich, dass er ordentlichst besoffen war. Eigentlich merkte ich das schon, als wir Schlangenlinien fahrend auf das erste Auto zuhielten. Immer wenn er sich zu mir drehte und was sagte, kam sein Motorrad vom eigentlich Kurs ab. Bagger, Busse, Jeeps….naja was uns eben alles so entgegenkam und rechts ging es dann mehrere hundert Meter runter. Scheiße, was mach ich hier eigentlich.

Hoffentlich fährt der nicht so weit, dachte ich. Erste Pause. „Wohin geht’s denn?“ „Coroico.“ Scheiße der fährt echt bis nach Coroico. Da sind wir mindestens noch ne Stunde unterwegs. Wie erklär ich ihm nur, dass ich nicht weiter mitfahren will…..ach da geht’s schon weiter. Naja. Todesangst. Irgendwie wars auf seine Art und Weise auch lustig. Ich hielt mich gut an ihm fest und dachte mir nur, dass wir wenn dann zusammen untergehen. Nächste Pause. Er will ein Selfie machen. Beziehungsweise möchte, dass ich ein Selfie mache.

Da kam dann mein Selfiestick zum Einsatz. Ich holte ihn aus dem Rucksack und erklärte Aris, dass ich ihn als „Present“ in Argentinien von einem Fahrer bekommen hatte. „Present“ verstand er, wurde sofort hellhörig. „Für mich ein Present“. Bolivianische Polizei. Oh nein, jetzt will der auch noch ein Present haben. „Nein nein…“ Selfie gemacht. Weitergefahren. Nächste Pause. Das mit dem Present schien ihn nicht mehr loszulassen. Er wollte mir seine Polizeijacke geben und ich sollte dafür irgendwas mit ihm tauschen. Hatte aber nüscht. Sorry. Aber Jacke kannst du mir trotzdem geben? Hab doch gar keinen Platz dafür und anziehen kann ich sie auch nicht. Ach ich soll die einfach irgendwas schicken, wenn ich wieder in Deutschland bin? Ja, die Jacke kann ich ja meinem Papa schicken. Jaja, wir sind jetzt Polizeibrüder. Weiter gings.

Polizeilift mit Frau
Mein Polizeilift nebst seiner Frau. Netter Kerl.

Ich sag mal so, macht das NIE NIE NIE zu Hause nach. Aber ich habs überlebt. Aris kam heile zu seiner Freundin nach Coroico. Als wir ankamen stellte er sein Motorrad ab und das Erste was er sagte: „Hier ich hol kurz meine Freundin, geh du mir mal ein Bier kaufen bitte.“ Nagut. Ich brauchte auch dringend ein Bier. Also noch zwei Bier bestellt und mit Aris + Freundin getrunken. Hatte andere Gringos erspäht und bin immer mal raus und hab die nach passenden Hostels gefragt. Während wir uns unterhielten, ist Aris Motorrad nochmal schon auf den Bordstein gefallen. Naja, alles vom Staat bezahlt. Er ist dann mit seiner Freundin abgedüst. Ich hatte zittrige Hände, aber war endlich in Coroico. Bereit die „Death Road“ zu trampen.

4 Comments

  • Das sind ja echte Abenteuer. Dein Schreibstil ist übrigens auch richtig nice. Bei anderen Bloggern breche ich meistens schon oft irgendwo in der Mitte einfach ab, aber deine Posts lese ich jedes Mal komplett durch. Sind aber auch einfach super interessant! Weiter so, enjoy your life amigo. Ich bleib‘ auf dem Laufenden. Gruß aus Germany Michael

    • Wow. Der Kommentar macht mich echt zufrieden. Ich hab dasselbe erlebt vor ein paar Tagen und mir gedacht, genau so möchte ich gerne meine Leser fesseln. Danke für die Bestätigung! Auch ein Grund, wieso ich mitlerweile etwas längere Artikel schreibe. Geht ja um das Lese-Erlebnis. 🙂

      Übrigens, Quelle meiner neueren Inspiration war dieser Kerl und Artikel. http://hitchtheworld.com/2010/02/07/sorry-for-doing-that-in-your-car/ Leseempfehlung, schreibt extrem unterhaltsam! Werde ihn im August in Houston besuchen.

  • Mordsgeiler Style den du da hast, Reisen und Schreiben! Meine Augen glaenzen beim Lesen, diese Erfahrungen sind so einzigartig! Ich beneide dich und freu mich schon drauf wies weitergeht!

  • in Gedanken immer wieder unterwegs mit Dir. Danke für Deine geteilten Abenteuer…habe lange nicht mehr beim Lesen laut „ach Du Scheisse“ gerufen 🙂 Enjoy…

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