„Wenig Verkehr auf dieser Straße, aber ist bestimmt schön da!“

Long straight road
Long straight road

Ich stehe mit einem Holländer im Hostel und unterhalte mich mit ihm über meine Route. Wir waren zwei Ahnungslose, die aber beide eine Meinung hatten. „Ja, normalerweise fährt man eine andere Route. Deine Strasse geht mitten durch die ländliche Gegend.“ „Da ist wahrscheinlich wenig Verkehr.“ „Ja, aber ist bestimmt schön da.“ Schön wars unter anderem. Kein Plan gehabt, in was ich da wieder reinrenne. War vielleicht auch gut so.

Route klar. Ich laufe los. Kaufe mir hier und da noch Kleinigkeiten zu Essen. Selbst in Städten verzichte ich mittlerweile komplett auf den Bezahlverkerhr. Innheralb von 30-60 Minuten bin ich noch aus jedem Stadtzentrum in eine trampbare Gegend gekommen. Auf der Strasse Richtung Flughafen trampe ich also los. Unzählige Taxis fahren an mir vorbei. Mein erster Lift sollte ein VW-Käfer sein. Sauber restauriert. Netter Kerl, Lift bis zum Flughafen. Dort hatte ich dann einen Kleinlastwagen, der mich bis zur Strasse nach Ravelo gebracht hat. Perfekt. Stadt hinter mir. Gesuchte Strasse vor mir.

Der direkte Weg nach Oruro

Ich hätte schon etwas misstrauisch werden sollen an der Kreuzung. Links abbiegend von der Hauptstrasse folgte eine kleine Strasse, die durch den Strassengraben zu passieren war und mehr aussah, wie eine Einfahrt zu einem illegalen Haus. Sicherheitshalber nochmal eine Frau am Wegesrand gefragt, ob dies der Weg nach Ravelo ist. „Si. Si.“ und dann meinte sie noch irgendwas von mehr Verkehr weiter hinten oder so. Da war ich aber schon auf dem Weg.

Die Hauptkreuzung war komplett gesperrt, wie ich nach einigen Metern sah und diese Staubpiste anscheinend die illegale Umgehung. Hab mir nichts dabei gedacht und bin losgelaufen. Erstmal war da kein Verkehr. Nach einiger Zeit kam ein Motorrad, mit dem ich meinen ersten Lift hatte. Nach einer viertel Stunde folgte ein Kleinlastwagen der mich 20 Minuten weiter brachte. Er fuhr in ein kleines Kaff was fernab der Hauptstrasse lag und laut Karte nur durch eine sehr „kleine“ Strasse zu erreichen war. Ich hatte so eine böse Ahnung, dass ich genau auf dieser Strasse gelandet bin.

Brückenbau Bolivien
Brückenbau Bolivien, ab ins Nirgendwo.

Erstmal wieder laufen. Schön hier. Nach 27 Minuten kriege ich einen Mitleidslift mit einem Taxi für 2km. Ich laufe weiter und komme zu einer Brücke, die gerade gebaut wird. Alternativweg führt durch den Fluss. So sollte es die nächsten Tage öfter sein. Berg hoch, Berg ab, durch Fluss und wieder Berg hoch. Berg hoch musste ich ebenfalls laufen, nachdem ich die Baustelle passiert hatte. Und dann kam erstmal….nichts. Nach einer Stunde der nächste Mitleidslift mit einem Zement LKW für weitere 2 km. Ich durfte außen am LKW stehen, direkt neben dem Trichter, wo der Zement eingefüllt wird. Sah mich da schon reinfallen, wie die Hexe in den Ofen bei Hänsel & Gretel. Die Aussicht war allerdings prächtig.

Gut gelaunt lief ich anschließend weiter entlang der Straße. Verkehr Mangelware. Ein Krankenwagen kommt angebraust, ich halte meine Hand raus und er stoppt. Yeah, mein erste Krankenwagenlift. Ich durfte hinten rein, wo sonst die Patienten sind. Da war eine Bank, eine Pritsche und sonst nichts. Simpel ausgestattet. Fuhr bis zu einem Kaff kurz vor Ravello. Ich lief wieder weiter auf der schönen geteerten Strasse und so langsam machte sich der Verdacht breit, dass ich vielleicht doch die ganze Zeit auf der Hauptverkehrsstrasse bin und da einfach kein Verkehr ist. So wars wohl auch. Das erste Auto was kam, nahm mich nach Ravelo mit.

Da war ich nun am ersten Checkpoint. Die Sonne war schon am untergehen. Immerhin die ersten 50km geschafft nach sieben Stunden. Nur noch 850km vor mir. Ich ahnte schon, dass ich das wohl nicht an einem Tag machen werde. Hinter Ravelo hörte dann auch die geteerte Strasse auf und es folgte Staubpiste. Mit Steinen. Und Flüssen. Ab und zu Lamas oder Schafherden. Bolivianisches Hochland.

Sterne und Schweine

Im Sonnenuntergang winkte ich den ersten Lastwagen raus. Schnell auf die Ladefläche geklettert. Dort war reger Betrieb. Acht Leute und ein Schwein (schwarz und borstig). Hallo. Die Sau schnupperte sofort interessiert an meinem Schuh. Sie war am Hinterbein in der Ecke festgebunden. Der Rest der Reisegesellschaft befand sich am anderen Ende der Ladefläche. Freundliche versuche der Schweines Kontakt mit den anderen aufzunehmen, wurden mit Schlägen auf den Kopf quittiert. Das gefiel ihr garnicht und frustriert schmiss sie immer wieder Schaufeln oder Stahlträger mit ihrer Schnautze hin und her. Unter anderem gegen mein Bein.

Reisegesellschaft mit der Wutz
Reisegesellschaft mit der Wutz

Es wurde dunkel. Irgendwie schaffte es die Sau, sich aus ihrer Gefangenschaft zu lösen und erweiterte ihren Bewegungsradius auf die gesamte Ladefläche. Sehr zu meiner Belustigung und zum Ärger der Anderen. Immer wieder Kontaktgesuche, immer wieder Zurückweisung. Armes Schwein. Nachdem wir die meisten Leute ausgeladen hatten, war ich alleine mit einem Pärchen, welches sich unter einer Decke in der Ecke der Ladefläche kuschelte und: Dem Schwein. Das Schwein kam immer wieder schnuppernd, grunzend und zunehmend penetrant Richtung Decke und der Kollege unter der Decke war nicht sehr geschickt im abweisen. Über uns war glasklarer Sternenhimmel und Sichelmond. Wie romantisch. Die Liebenden, das Schwein und dieses Panorama.

Nach zwei Stunden wackeliger Fahrt war Ende. „Otro lado.“, andere Richtung. Der Fahrer fragte mich nach Geld. Verstehe, war wohl so etwas wie ein local Taxi. Ich gab ihm umgerechnet 1,10€. Ich trampe zwar, das ist umsonst, aber ich will auch nicht unhöflich sein. Da an dem Tag so ziemlich alles angehalten hatte, was an mir vorbeigefahren ist, war ich recht zuversichtlich in der Dunkelheit weiter zu kommen. Es war auch erst gegen acht. Also lief ich weiter ins nächste Dorf. Am Ortsende machte ich die erste Pause. Ich war irgendwo zwischen 3500 und 4000 Metern und der sachte Aufstieg machte mir zu schaffen. Ich sah ein Auto den zurückliegenden Berg runterkommen. Mein nächster Lift. Sollte in 10 Minuten an meiner Position sein.

Ich war bereit weiterzufahren. Auto kommt um die Kurve, Handzeichen und…..es fährt vorbei. Was war da los. Seit dem Taxi-Lift zur kaputten Brücke ist kein Auto mehr an mir vorbeigefahren. Ich dachte hier hält alles an? Ich war entwas enttäuscht und lief weiter. Laufen, hinsetzen, Sterne schauen, laufen…usw. Meine Nachtbeschäftigung. Ein zweites Auto kam…auch das hielt nicht an. Ein Drittes hält zwar, aber nimmt mich nicht mit. Das war dann auch schon der ganze Verkehr, der letzten 3,5 Stunden. 3,5 Stunden schon am laufen. Es wird langsam kalt und ich weiss genau, diese Nacht lohnt sich nicht zum trampen. Ich war mitlerweile sicher über 4000m und es wurde kalt.

Mein bolivianischer Bauersfreund

Hinter mir waren ein paar Lehmhütten von bolivianischen Bauern. Eine Taschenlampe leuchtet auf. Meine Chance. Ich leuchte zurück. Keine Reaktion. Ich leuchte penetrant zurück. Nada. Das ist meine einzige Chance heute noch zu schlafen (ohne einen Menschen aufzuwecken, was mir maximal unangenehm gewesen wäre). Also laufe ich los richtung Haus. Ich nähere mich vorsichtig. Keine Lebenszeichen. Versuche zu erahnen, wo der Eingang ist.

Plötzlich bewegt sich etwas. Der bolivianische Bauer traut sich aus seinem Schützengraben und kommt auf mich zugestapft. Er hatte sich vor sein Haus auf die Lauer gelegt und mich die ganze Zeit aus einem kleinen Graben beobachtet. Seinen etwas agressiv-verteidigend wirkenden Auftritt lächelte ich gekonnt weg. Der Bauer hatte die Backen voller Koka, seine Zähne schimmerten bedrohlich schwarz und er war ungefähr zwei Köpfe kleiner als ich. Er redete mit mir, ich verstand kein Wort, erklärte ihm, dass ich nicht draussen schlafen kann und ob er etwas Platz hat…er verstand…Vamos.

Er wohnte mit seiner Familie in fensterlosen Lehmhütten. Die Familie sollte auch sogleich kollektiv aufgeweckt werden. Ich verstand nicht so recht warum. Aber er stand mitten im Schlafraum und brüllt seinen Sohn an. Der zeigte sich äusserst resistent und schlief einfach weiter. Bauer schreit weiter, ich versuche zu schlichten und erkläre ihm, dass ich nur einen kleinen Platz auf dem Boden brauche. Dachte der schmeißt seinen Sohn aus dem Bett und ich solle dann darin schlafen.

Nach weiteren Versuchen des aufweckens, bewegen wir uns in den Nebenraum. Dort steht noch ein zugerümpeltes Bett. Perfekt. Ich räume eine Seite frei und kriege noch ein paar Decken für meinen dünnen Schlafsack. Ich hatte eine Flasche Wasser dabei. Irgendwie wurde ich oft auf das Wasser angesprochen und verstand nie warum. Auch hier, diesmal fragte er mich, ob er einen Schluck haben kann. Klar, kann ich nicht abschlagen. Als ich danach an der Flasche nippe, werden meine Lippen sofort taub. Er hatte auf jedenfall ne ordentlich Spur Koka hinterlassen.

Als ich schon halb im Schlafsack liege, kommt mein bolivianischer Bauersfreund nochmal zum Kommunikationsversuch vorbei, schob meinen Schlafsack zur Seite und setzte sich in väterlicher Art auf mein Bett. Ich verstand nicht so richtig was er wollte. Dokumente, Sicherheit, er gab mir seinen Pass, ich rückte meinen Führerschein raus. Ich wusste nicht so ganz was los war und behielt meinen Reisepass lieber für mich. Aber er wollte den Führerschein nur seinem Sohn zeigen. Hab nicht so richtig verstanden wieso. Wahrscheinlich um nochmal einen Grund zu haben, den Sohne zu wecken. Dann war aber Schlafenszeit in meiner fensterlosen Lehmhütte.

So ganz getraut habe ich der ganzen Situation nicht. Die ersten Eindrücke aus der Situation mit dem Graben vor dem Haus waren zu sehr präsent. Die Kokabacke, die schwarzen Zähne und der misstrauische Mann.

Traum 1: Ich wache auf in meinem Bett irgendwo in Deutschland. Freunde kommen zu mir und Fragen mich, was ich hier mache. Ich habe meinen Tramperanzug an. Aber wo ist mein Rucksack? Fuck, mein Rucksack? Diese bolivianische Bauersfamilie muss mich mit einem Transporter in diesen Park gebracht haben und hat meinen Rucksack geklaut! Wir beginnen umgehend mit der Suche.

Traum 2: Ich sitze in meinem Lehmhüttenzimmer und spiele Computer. Auf meinem Bett turnt ein kleines, schwarzes und borstiges Schwein herum. Es ist ziemlich frech und ärgert mich, wo es nur kann.

Zum Morgengrauen öffnet sich die Tür. Der Bauer kommt rein und steckt sein Handy in die Steckdose. Es ist hell, aber noch keine Sonne da. Die kälteste Zeit des Tages. Ich beschließe noch etwas in meinem Schlafsack zu bleiben. Das Handy ist alt und ich werde gefragt, ob ich etwas auf dem kaputten Display sehe. Meine technisch versierten Augen stellen wohl dasselbe fest, wie der Bauersmann. Nämlich das dort nichts zu sehen ist.

Nach einer Zeit schaut er mal wieder rein und lässt die Tür offen stehen. Wohl ein Zeichen, dass es nun an der Zeit ist zu gehen. Ich lerne noch alle drei Kinder kennen, die Frau hängt wäsche auf. Frühstück brauch ich keins. Laufe los und mein neuer Freund begleitet mich noch ein Stück. Ein frischer Morgen im bolivianischen Hochland. Die Sonne ist gerade aufgegangen, auf der Straße sind die ersten Menschen. Es war ein schöner Morgenspaziergang.

Mein bolivianischer Bauersfreund
Mein bolivianischer Bauersfreund

Bier, Wein und selbstaufgesetzter Vergohrener.

Verkehr gibt’s auch, allerdings nur in die falsche Richtung. Ein paar Lastwagen, einer davon rauscht so schnell an mir vorbei, dass ich mich vor der ankommenden Staubwolke verstecken muss. Unmöglich schnell. Im ersten Dorf scheinen sich die Nachbarn versammelt zu haben. Ach wie schön, denke ich. Sowas gibt’s in Deutschland ja nicht mehr. Alle stehen zusammen auf der Straße und reden. Ich nähere mich. „Buenes dias.“ „Buenes dias.“ „GRINGO!“, brüllt eine der Nachbarinnen, als sie gerade aus dem Haus kommt. Hände werden geschüttelt. Auf der Straße liegen zwei Hühner. Jetzt merke ich erst, dass die wohl gerade unter die Räder gekommen sind und die Nachbarschaft beratschlagt, was zu tun ist. Ob ich nicht ein Huhn wollte, ich bin doch Gringo und habe Geld. Ne, danke.

Ich laufe ins Dorf, kaufe dort ein Brot mit fritierten Kartoffeln und Spiegelei. Gutes Frühstück für 40 Cent. Der erste LKW der kommt hält an. Viva Bolivia. Bis nach Oruri, der zweiten von vier Städten auf meinem Weg. Da ist auch reger Betrieb. Die Landschaft ist wunderschön. Ich laufe wieder los. Nach einigerzeit stoppe ich das erste Gefährt, was vorbeikommt. Ein Bagger. Mein erster Baggerlift. 25 Minuten stehe ich an der Seite und wir fahren durch das hügelige Hochland.

Danach hält wieder der erste Truck an. Hinten drauf ne Menge Ziegeln, eine Tonne mit ungewissem Inhalt und 3 anderen Kollegas. Wir stoppen an einer Baustelle. Fahrer steigt aus und geht mit dem Bauleiter. Anscheinend soll es hier erst in zwei Stunden weitergehen. Da sind anscheinend 5 wirklich große Bagger und Raupen am Werk und schieben den Berg weg. Bolivianische Straßen sind sowieso für den nächsten Erdrutsch gebaut. Irgendwie geht’s dann aber doch nach 10 Minuten weiter. Danach habe ich noch einen 1.Auto/LKW Lift und komme bis nach Macha.

Zeit zum Mittagessen. Auf dem Weg aus der Stadt gerate ich in eine Feier. Drei fröhliche Gitarissten fordern mich zum tanzen auf. Ringsherum sitzen alte Leute mit Fässern voller selbstgemachtem Alkohol und freuen sich über den tanzenden Gringo und das Spektakel. Danach ging alles ganz schnell. Ich kriege einen Becher Bier gereicht. Trinke das. Danach einen Becher Tumba (irgendeine vergorene Frucht) und als ich das am trinken war, stand auch schon der nächste mit seinem selbstgemachten Wein parat. Alkoholmix zum Mittag. In der anderen Hand hatte ich noch mein Alfajor, was ich noch nicht ganz aufgegessen hatte. Nach der kleinen Fiesta war ich etwas angeschwippst und lief weiter meine Straße entlang. Ein Pick-Up hält. Zum fünften mal hintereinander, dass mich das erste vorbeikommende Auto mitnimmt. Ich liebe diese Gegend!

Ein LKW ließ mich stehen, meine Gewinnsträhne ward vorüber. Ein paar Käffer weiter landete ich auf der Ladefläche eines Gemüse-LKW´s. Kopfschmerzen von der Höhe, dem Alkohol und dem ständigen hin und hergeworfen werden. Der Fahrer fuhr wie die Hölle. Die Landschaft wandelte sich vom Hochland, zur Schlucht und wir kamen zu ersten bebauten Straßenabschnitten seit 1,5 Tagen. Zivilisation. Vielleicht schaffe ich doch die erste Etappe nach Oruro, wo sich die große Autobahn nach La Paz anschließt.

bolivianisches Hochland
bolivianisches Hochland

Wieso ist hier soviel Öl auf der Ladefläche?

Ich lifte mit einem Baustellen Pick-Up. Die Jungs sind gut drauf, die Ladefläche ist total ölverschmiert. Ich versaue mir erstmal mein Hosenbein. Bein Rucksack wird sich schön vollschmieren mit den öligen Dreckklumpen. Definitiv eine Nummer schlimmer als der ständige Staub und die sonstigen Ladeflächenüberraschungen. Wir fahren endlich auf geteerter Straße, oder besser gesagt auf einer 50km langen Baustelle, die eine schöne neue Straße durch die Schlucht pflügt. Die Jungs scheinen auch jeden zu kennen. Leute in erorbitant großen Baggern grüßen uns. Einmal halten wir an, weil eine Raupe ziemlich viel Öl aus ihren hydraulischen Gelenken verliert. Kurzer Smalltalk, ein verzweifelter Hilfegesuch, die Jungs lachen und fahren weiter.

Gegen 18:25 Uhr lande ich in einer kleinen Bergarbeiterstadt vor Oruro. Die Stadt sieht aus wie eine einzig riesige Stahlhütte. Wie gemacht von kleinen Zwergen, die Tagein Tagaus im Berg arbeiten, oder irgendwelche Metalle giessen. Von den Minenschächten erstrecken sich Wellblechdächer bis zu Fluß hinab. Was genau darunter passiert bleibt zu erahnen. Sah aber nach Bergbau aus. Dazwischen einige Häuser. Alles grau und verstaubt. Vielleicht lag es am Sonnenuntergang, aber der Ort hatte eine besondere Magie.

Es war dunkel. Es wurde kalt. Ich hatte Kopfschmerzen und war müde. „Zeit für einen Bus.“, flüsterte die Vernunft. Aber so kurz vor dem Ziel aufgeben war doch irgendwie nicht Sinn der Sache. Ich werde langsam weich. Aber das heißt ja nicht, dass ich jedem Impuls nachgeben muss. Nachttrampen also. Ich postierte mich instinktiv hinter die Tankstelle am Ortsende und wartete an der Ausfahrt auf Autos, die gerade losfahren. Das funktionierte. Nach 5-10 Minuten kam das erste Auto von der Tankstelle in meine Richtung und lud mich ein. Lift nach Oruro. Geschafft. Hotel und Essen als Belohnung.

Auf dem Weg hielten wir noch an einer Polizeikontrolle und luden drei Jungs trampende Jungs ein. Keine Chance zum abweisen. Die schauen ins Auto, fragen wohin und schwups waren sie drin. Am Bahnhof in Oruro haben sie meinem Fahrer dann jeweils 60 Cent gegeben. Als sie raus waren, hab ich gefragt wieviel er möchte. Er meinte es sei okay, hat mir noch ein paar billige Hotels empfohlen und mich verabschiedet.

Angekommen. Endlich Zeit zum entspannen. Hotel Einzelzimmer für 3,50€, Abendessen für 1,10€ (mit Suppe) und eine heiße Dusche, die ich ca. 30 Minuten beansprucht habe und währenddessen meine verstaubten Sachen gewaschen habe. Zeit zum Schlafen. Am nächsten Tag sollte es weiter gehen Richtung Coroico, der Stadt am Anfang der Death Road. Google Maps empfiehlt die südliche Route über La Paz zu fahren. Ich wollte allerdings von Norden kommen und nach Süden weiterfahren. Über die kleinen Straßen, anstatt über die Autobahn. Naja. Kann ja nicht schlimmer werden, als die 300km hinter mir. Ich war immernoch ein Ahnungsloser….

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