Ich bin von Deutschland nach Alaska getrampt. Das Ende.

My route so far.

Ich bin da. Heute um 06:48 Uhr morgens bin ich in Prudhoe Bay, Alaska angekommen. Hinter mir liegt eine 8354 km Langstrecke von New York. Für die Route hab ich 9 Tage, 18 Stunden und 18 Minuten gebraucht. Alles lief wie geplant. Ich bin am Ende der Straße. Mal wieder. Sieht so aus, als ob ich nun offiziell von Deutschland nach Alaska getrampt bin. Dafür habe ich 15 Monate gebraucht. 64270,23 km liegen hinter mir. Eine große Tour. Teil meiner eigentlichen Expedition: Einmal um die Welt trampen. Diese Expedition ist nun am Ende. Ich bin am Ende. Das ganze Projekt ist gescheitert.

Vor einem Monat habe ich erfahren, dass ich kein Rußland Visum außerhalb Deutschlands beantragen kann, was meinen ganzen Plan, die Bering Straße zu überqueren, zerworfen hat. Ich hätte meinen Pass für viel Geld nach Deutschland schicken können, um trotzdem das Visum zu erhalten, aber das war es mir nicht wert. Der B-Plan, mit Segelbooten den Pazifik zu überqueren, hätte mindestens 6 weitere Monate in Anspruch genommen. Nur um nach Australien zu gelangen, von wo aus ich mich nach Asien hätte vorarbeiten müssen. Keine Option für mich. Ich will nicht noch ein weiteres Jahr auf der Straße bleiben. Ich bin müde. Erschöpft.

Es war mein Traum diese Weltumtrampung zu meistern. Diesen Traum hab ich gelebt. Und diesen Traum lasse ich nun ziehen. Ich werde es nicht schaffen. Ich werde einen Flieger über den Pazifik nehmen und damit die einzige Regel verletzen: Not to use public transport. Manche wissen, dass ich diese Regel schon vorher verletzt hatte. Aber das waren weniger als 1% meiner Gesamtroute und daher kann daher vernachlässigt werden. Über den Pazifik fliegen ist allerdings inakzeptabel. Egal wie man es wendet.

Manche sagen, alles sei möglich und ich würde bestimmt noch eine Möglichkeit finden. Ich hab einen bestimmten Punkt auf meiner Reise überwunden und musste feststellen, dass dies alles nicht mehr so wichtig für mich ist. Es tut weh loszulassen. Diesen Schritt zu gehen. Ich habe dieser Expedition mehr als ein Jahr meines Lebens gewidmet. Eine lange Zeit. Ich schäme mich das aufzugeben. Schäme mich, weil ich meine eigenen Erwartungen nicht erfüllt habe. So fühl ich mich damit. Ich will ehrlich mit mir sein. Ich scheitere. Expedition fehlgeschlagen. Das ist okay.

Natürlich bedeutet das Ende meiner Expedition nicht das Ende meiner Reise. Einzig der Zweck verschiebt sich. Ich will nun mehr entspannen, Menschen sehen die ich lieb gewonnen habe und mir auch mal Sachen angucken (vielleicht). Trampen ist nicht mehr das Wichtigste. Es geht nun mehr um mich und eine gute Zeit zu haben. Ich werde im Mai nach Hong-Kong fliegen, vorher noch einen Stop in Japan machen und anschließend über Mongolien, Kazazchtan, Zentral Asien, Iran und alles weitere dazwischen meinen Weg nach Hause bestreiten. Natürlich trampe ich die ganze Route. Keine Frage. Ich will unbedingt noch den berühmten Pamyr Highway abtrampen und werde im Spätsommer wieder in Deutschland ankommen. Natürlich geht auch der Blog hier weiter. 🙂

Es war einsam auf der Straße. Ich hab es geliebt. Ich habe darunter gelitten. Was ich wiederum geliebt habe. Diese Expedition war definitiv die spannendste und abenteuerlichste Zeit meines ganzen Lebens und ich bin unglaublich dankbar, dass dies ein Teil von mir geworden ist. Reisen ist ein Privileg und ich bin mir bewusst, dass diese Erfahrung etwas sehr besonderes ist. Allerdings auch etwas, für das ich hart gearbeitet habe. Sehr hart. Ich bin erschöpft. Ich fühle, dass es Zeit für Veränderung ist. Ich brauche Schlaf.

Ich will wieder ein zu Hause haben. Ich will wieder in mein geliebtes Leipzig. Ich will meine Familie und Freunde sehen. Ich möchte ein geregeltes Leben haben. Ich will auf dem Hitchgathering abhängen und Bekannte aus ganz Europa besuchen. Ich kann es kaum abwarten das nächste Sporttramperrennen mit meinen Jungs zu haben. Und ich möchte ein paar kleinere Abenteuer vorbereiten, die nichts mit Trampen zu tun haben. Hab schon ein paar Ideen. 😉 Ich hab so viele Ideen, die ich nicht anfangen kann, weil ich auf der Straße bin. Es war niemals mein Plan Vollzeitreisender zu sein. Zeit fest zu machen. Bald.

I still have miles to go before I sleep. And miles to go before I sleep.

Warm roads

Hier noch ein paar Eindrücke von meinem zurückliegenden Trip. Von New York nach Alaska – Prudhoe Bay (leider hab ich kein Foto von Prudhoe Bay, weil es hier dunkel ist).

Wilde Tiere

Hier ist Mister Moose. Oder Vielleicht Mrs. Moose? Trotteliges Vieh.

Moose parentMein Fahrer posiert mit einem Stachelschwein, dass wir auf dem Weg gefunden hatten. Ich sollte zwei Tage in Beaver Creek feststecken, 30 km von der Alaska Grenze entfernt. DJ hat mir später noch seine Couch angeboten und ich hatte in dieser Nacht den ersten richtigen Schlaf seit ich in Kanada war.
Wild porkupie

War wohl am Salz lecken
Moose prayingDefinitiv ein Highlight war diese wilde Büffelherde am Straßenrand. Dachte diese Tiere seien ausgerottet. Sahen ganz gesund und fidel aus.

Wild Bufallos

Straßen

Tramperhölle in Wawa. Alle meinten immer, ich solle da bloß nicht stoppen. Es war Morgengrauen. -15° mit Wind -25°. Bitterlich kalt. Habe 2 Stunden auf den nächsten Lift gewartet.

Wawa

Hier waren wir schon auf dem Alaskan Highway. Mehr Piste als Straße. Ice Road Canada road

 

Der Abschnitt zwischen White Horse und der Grenze zu Alaska hat mir auf jedenfall den Stecker gezogen. Hinter Hayes Junction fingen die Berge an. Und der Yukon zeigte seine ganze Pracht. Ich hab nie zuvor so viel „Weite“ gefühlt, wie hier. Ich bin auf vielen Straßen gefahren, aber hier fühlte ich mich so klein. Für die Natur hat man hier nur Respekt übrig. Road Yukon 2 Road Yukon

Indischer Trucker mit historischer Holzeisenbahnbrücke im Hintergrund. Netter Kerl!
Indian Trucker

Zwischenstop an Hot Springs, leider kein Handtuch dabei.
Hot Springs Yukon

Prudhoe Bay

Hier im Norden werden die Autos entweder die ganze Zeit laufen gelassen, oder sie hängen am Strom, damit man sie bei den extremen Temperaturen noch starten kann.
Auto Prudhoe Bay
Hauptstraße raus aus Dead Horse. Mit Wind waren wir heute bei -36°. Frisch.
Road Dead Horse
Prudhoe Bay ist flach und lebensfeindlich. Außer Ölindustrie gibt es hier nicht viel. Noch nichtmal Sonne im Moment.
Dead Horse Snow

6 Comments

  • Hut ab. Vielleicht ist es auch nicht nur das Ende, sondern auch der Anfang von etwas.(Hippiebla!) Die eigenen Bedürfnisse zu respektieren, wenn es sein muss auch mehr als feste Ziele ist eine Fähigkeit die ich und viele Andere sich sehr wünschen. Du hättest es durchziehen können: Ewig in Alaska festfrieren, Deinen Pass nach Deutschland schicken, ein Visum kriegen, weitermachen… Aber wäre die Reise noch so gewesen wie du sie dir wünschst, wenn du das Bewusstsein im Hinterkopf hast deine Bedürfnisse, Zeit mit wichtigen Menschen und den Spaß am trampen zurückgestellt zu haben, ’nur‘ um diesen einen Flieger nicht zu nehmen?
    Ich les das hier immer echt gerne. Den Beitrag heute mit besonderem Respekt.
    Best,
    Max

    • Max, du siehst das ganz richtig. Im Endeffekt sind andere Sachen nun wichtiger. Und der Schritt ist nur konsequent. Aber Spaß am Trampen hatte ich trotzdem! 🙂

  • Hey Stefan. Ich bin wahnsinnig beeindruckt und fasziniert von deiner Leistung und deinem Traum. Ich würde mich so gern mit dir unterhalten da ich ähnliches vorhabe und eine Leipziger Seele bin. Ich möchte im Januar von hier starten und würde mich überglücklich schätzen dir ein paar Fragen stellen zu können. Liebe Grüsse Kat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.