Tribute to Patrick Faltermann

Ich hab Patrick getroffen, als ich in Texas war. Einige werden sich vielleicht an daran erinnern, als ich das Erste mal in meinem Leben mit einem Flugzeug getrampt bin. Das war mit ihm. So wirklich getrampt war es ja nicht, weil ich Patrick schon vorher kannte und er mir die Tour angeboten hat. Für ihn war es eine besondere Freude, dass er einem anderen Tramper einen Lift in seinem kleinen Flugzeug geben konnte. Es ist immer eine Freude, wenn man lange auf der Straße war und endlich mal etwas zurückgeben kann. Für mich war es auch etwas ganz Besonderes und das wird es auch immer bleiben. Mein erster Aerohitch, das warst du mein lieber Patrick Faltermann.

Patrick and me

Ich kann nicht sagen, dass er mein Freund war, weil ich Patrick dazu nicht lange und gut genug kannte. Er war mehr ein Seelenverwandter. Ein Bruder im Geiste. Uns hat nicht nur die gleiche Tramproute durch Zentral- und Südamerika verbunden, sondern auch unsere Einstellung zum Leben und Reisen. Beim Geschichten erzählen konnte er all die verrückten Stories nicht nur voll nachvollziehen, sondern hatte auch immer eine eigene Anekdote beizusteuern. Er war ein Mitglied der Trampfamilie. Aber ein ganz Besonderer.

Patrick ist 2009 ohne Geld von Texas nach Südamerika gereist. Er war insgesamt 5 Jahre unterwegs. In Brasilien hat er mit einem Scheißjob zum lokalen Lohn gerade genug Geld verdient, um ein kleines Kanu zu kaufen und ist anschließend, ausgestattet mit einem selbstkonstruierten Segel, für zwei Jahre mehr als 4000 km auf den Verzweigungen des Amazonas Flusses gefahren. Er ist wahrscheinlich einer der ersten Tramper gewesen, die das Darien Gap überwunden haben und der einzige Mensch, den ich kenne, der Trainhopping in Südamerika gemacht hat. Patrick war ein echter Texaner und völligst durchgeknallter Typ (im positiven Sinne).

Ich bin über seine Darien Gap Geschichten auf ihn gestoßen, weil ich meine eigene Passage vorbereiten wollte. Den Blog kannte ich schon. Meiner Meinung nach der beste, englischsprachige Blog zum Thema Trampen. Seine Art Geschichten zu erzählen, hat mich sehr inspiriert und auch meinen eigenen Schreibstil beeinflusst. Als ich in Bolivien war, hatte ich eine kleine Schaffenskrise. Patricks Blog hat mir geholfen, diese zu überwinden. Sein Humor und seine Fähigkeit, auch auf die vermeindlich unwichtigen Dinge unserer Realität zu observieren sind einfach sehr unterhaltend. Und man kann spüren, dass er mit Leib und Seele Abenteurer ist. Ich wollte immer genauso schreiben. Er war stilistisch eines meiner Vorbilder.

„Sorry for doing that in your car“ ist so eine Geschichte über die ich heute noch lachen muss. Darin beschreibt er, wie er fast an einem Stück Fleisch erstickt ist, weil er es so gierig herunter geschlungen hatte, nachdem er seit Tagen keine richtige Mahlzeit zu sich genommen hatte. Dieser Artikel war ein Grund für mich, Teile meiner Tramptouren ohne Geld zu machen. Als ich in Peru versucht habe einen Güterzug zu hoppen, folgte ich seinem ersten Trainhopping Versuch in Peru. King of the road heißt der Artikel. Ja er war wirklich ein King of the road.

travel

Er flog mich durch halb Amerika. Wir hatten eine sehr verrückte Zeit. Irgendwie sind wir zusammen eskaliert, wie zwei Kinder, die eigentlich nicht miteinander spielen sollten. Diese Begegnung war so besonders, dass ich Patrick einen eigenen Artikel geschrieben habe. Dieser ist auch schon seit Monaten fertig. Ich hatte ihm versprochen, dass er ihn lesen darf, bevor ich ihn veröffentliche. Ich konnte ihn bisher nicht übersetzen. Er wird den Artikel nie mehr lesen können.

Patrick und sein Freund Zach Esters sind am 3. September bei einem Kunstflug Manöver verunglückt. Er wurde 26 Jahre alt. Er ist weg. Nichts kann ihn zurückholen. Ich habe viel darüber geweint. Aber ich bin gleichzeitig sehr froh, dass er da war. Froh das er sein Leben in vollen Zügen gelebt hat. Froh das ich ihn treffen durfte. Froh über seine kindliche Neugierde, die Grundlage für seine Aufgeschlossenheit war und ihm so manches Abenteuer beschert hat. Froh, dass er so war, wie er war: Ein völligst durchgeknallter, gutherziger Freak! Ich werde ihn vermissen, nicht wie einen Freund, sondern wie einen Seelenverwandten. Du wirst mich auch weiter inspirieren! Danke für alles!

patrickpaddle

Hier noch ein Interview mit ihm aus der Zeit, als er noch auf dem Amazonas unterwegs war sowie ein Video von einem Zusammentreffen mit einer anderen Expeditionscrew.

4 Comments

  • Ich hab heute in einem spontanen Anfall deinen halben Blog durchgelesen, und du schließt das mit einer Geschichte zum heulen ab. Nichtsdestotrotz finde ich deinen Blog und die Erlebnisse wahnsinnig inspirierend. Danke dafür!

  • Hallo Stefan. Ich freue mich, dass ich deinen Blog gefunden habe. Ich bin David, der Bruder Patricks. Wir haben einander nie getroffen, aber er sagte sehr gute Dinge über dich, und freute sich auch, dass er einem „Seelenvervandter“ auch helfen könnte. Ich dachte, dass du wissen solltest–er bewunderte dich auch sehr, und sagte, dass er eine schöne und gute Zeit mit dir gepasst hat.

    Falls du noch ein Artikel über eure Zeit zusammen schreiben möchtest, und jemand von seiner Familie zeigen willst (bevor du es veröffentlichst), dass würde ich gern lesen. (Und du musst es sogar nicht übersetzen!)

    In der Zwischenzeit, ich wünsche dir viel Glück und Segen auf deinem Weg! Und ich danke dir für diesen schönen Tribut–es trifft ihn perfekt. Obwohl ihr einander nicht gut gekannt habt, es scheint, dass du ihn gut verstanden hast.

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