Über San Pedro de Atacama und Hunde

Strasse nach San Pedro
Strasse nach San Pedro

San Pedro de Attacama ist ein kleiner Touriort in der gleichnamigen Atacama Wüste. Natürlich voll mit Hippies, wie überall in Südamerika. Zu meiner Überraschung jedoch äußerst entspannt und schön. Nur etwas teuer. Ich war dort mit Andrew und seiner Freundin verabredet. Hatte einen schönen Tagestrip von Antofagasta 500km in den Norden. Das Trampen lief problemlos und war äußerst angenehm. Bald hatte ich auch das Hostel ausgemacht, in welchem wir uns treffen wollten. Leider sind die beiden nicht vor Ort gewesen, da der Bus kaputt war. Zimmer wurde jedoch trotzdem bezahlt, was für mich bedeutete: Gratis Honeymoon-Sweet mit Doppelbett und diesen Abend und nicht im Zelt schlafen.

Chillen im Backpacker Hostel in San Pedro de Attacama
Chillen im Backpackers Hostel in San Pedro de Atacama

Als die beiden am nächsten Tag ankamen wurde das Zimmer übergeben. Ich bin anschließend einfach im Hostel geblieben ohne dort zu wohnen. Kannte ja nun jeden. Fragt auch niemand mehr, ob ich ein Zimmer habe. Duschen, Kochen, Wifi, Menschen und Lagerfeuer waren doch so nett. Abends hab ich mich dann raus geschlichen und mein Zelt aufgebaut. Irgendwo aufgebaut. Das hab ich vier Tage durchgezogen.

San Pedro liegt auf 2700m und nachts war es mit 4-6° doch recht frisch. Mein Schlafsack hat 7° Limit (ganz zu Schweigen von 11° Comfort Zone). Die erste Nacht hab ich irgendwie überlebt. Weiß selber nicht wie. Ich war ziemlich betrunken, da wir auf irgendeiner halb-illegalen in der Wpste waren mit den Leuten aus „meinem“ Hostel.. Für Tag zwei fiel mir eine Decke in die Hände, die mir mein überleben gesichert hat. Es war trotzdem scheiße kalt. Jedoch war ich mal wieder zu geizig, um mir das Hostel zu gönnen. Und sonst hatte ich ja alles.

Weg nach San Pedro
Weg nach San Pedro

Aber eigentlich schreib ich den Artikel wegen etwas anderem. Tag zwei bin ich plötzlich aufgeschreckt in der Nacht, da eine Horde Hunde um mein Zelt herumgeschlichen ist. Natürlich sind die Trottel auch ständig über meine Leinen zu den Heringen gestolpert. Ich sollte dazu erwähnen, dass San Pedro voll mit Straßenhunden ist. Chile sowieso, aber in San Pedro scheint die Geburtenrate nochmal zu explodieren. Könnte gerade meinen, der Straßenhund wurde dort erfunden. Die Hunde sind außerdem maximal entspannt, liegen immer und überall im Weg herum, manchmal auch übereinander und prinzipiell immer am schlafen. Putzige Fellnasen.

Schlafende Hunde in Chile
Schlafende Hunde in Chile

In dieser zweiten Nacht fand ich schließlich einen neuen Freund. Er hatte keinen Namen, hat es sich aber neben meinem Zelt gemütlich gemacht und den Zeltplatz für sich beansprucht. Das hab ich immer dann gemerkt, wenn sich andere Hunde (oder was auch immer) genähert haben und plötzlich direkt neben meinem Kopf ein recht maskulines bellen ertönte. Der Hund war schwarz, recht groß und kräftig. Außerde hatte er das passende Organ, um auch bei Dunkelheit auf seine Größe aufmerksam zu machen.

Es war ja ganz reizend, das er mein Zelt und mich als neues zu Hause deklariert und verteidigt hat. Das er mich durch ständiges bellen wach hält: Geschenkt. Es wurde etwas anstrengend, als sich mein neuer Freund irgendwann meinte, er müsse sich an die Kopfseite meines Zeltes herankuscheln. Um genau zu sein, hat er sich „in“ mein Zelt gelegt, nur eben von außen. Widerstand zwecklos. Immerhin konnte er mich nicht vollsabbern. Morgens saß er dümmlich grinsend vor meinem Eingang, als ich aus dem Zelt gekrochen bin. Anschließend ist mir noch ne Weile hinterher gelaufen, bevor er sich wieder seinem üblichen Tagesgeschäft gewidmet hat.

Das ging drei Nächte so. Die letzte Nacht war etwas anstrengend. Alleine zwischen vier und fünf Uhr morgens hat er insgesamt fünf mal Alarm gegen Unbekannt geschlagen. Aber er war ja nun mein Kollege. Nach dem Zeltabbau um 6:30 Uhr (wir mussten früh raus, weil wir eine Tour in die Wüste gebucht hatten), wich er mir nicht mehr von der Seite und folgte mir. Dabei ist mir das Erste mal aufgefallen, wie groß und kräftig er eigentlich ist. Er folgte mir mit einer dümmlichen Fröhlichkeit durch die hundeverseuchten Stadtteile von San Pedro. Andere Hunde sind entweder vor ihm weggelaufen, wurden nach kurzem Schnüffeln verjagt oder beobachteten uns mit dem Misstrauen eines Verschwörungstheoretikers, der gerade eine Regierungserklärung liest.

Aussicht vom Backpacker Hostel in San Pedro de Attacama
Aussicht vom Backpacker Hostel in San Pedro de Atacama

Abschließend zum Hostel: Meine Decke hab ich selbstverständlich wieder zurück gebracht. Dusche war schön heiß und die Leute auch recht cool. Backpackers Hostel heißt es. Kann ich nur empfehlen, sehr angenehmer Aufenthalt. Das ist das Mindeste was ich tun kann, da ich ja ansonsten nichts bezahlt hab für vier wunderschönen Tage in San Pedro de Attacama.

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