Trampen in… (9) Argentinien

Trampen in Argentinien
Trampen in Argentinien

Prolog

Gefühlt habe ich die meiste Zeit in Argentinien getrampt. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Vielleicht auch weil Argentinien einfach soviel Spaß gemacht hat. Kann man echt geniessen. Weite Wege, gut geeignet für Langstrecken. Perfekte Infrastruktur. Im Norden gibt’s auch etwas schöne Landschaft, im Osten die Anden, im Süden hauptsächlich flaches Brachland und natürlich das „Ende der Welt“ in Ushuaia. Großer Spaß zum Erkunden!

Statistik

Zurückgelegte Distanz: 8045 Kilometer

Anzahl der Lifts: 84

Durchschnittliche Wartezeit: 34 Minuten 50 Sekunden

Standzeit Gesamt: 47 Stunden 13 Minuten

Den Log zum download gibts wie immer hier.

Meine Route

Ich bin über Uruguay nach Buenos Aires getrampt, anschließend nach Ushuaia und zurück, sowie über Mendoza nach Chile rein. Die Route war stets ein Riesenspaß und insbesondere auf meiner Ushuaia Tour bin ich garnicht mehr runter von der Straße für mehrere Tage.

Menschen

Die Argentinier sind wohl das Resieland in Südamerika! Ganz Südamerika scheint voll mit reisenden Argentinierinnen zu sein.. Keine Ahnung woher das kommt. Aber sie sind überall. Besonders in Uruguay. Und seitdem ich einen langen Bart habe, werde ich auch ständig für einen Argentinier gehalten.

Ich hab eine Gesellschaft vorgefunden, die von Idealismus geprägt ist und neu gewonnenes Selbstvertrauen entwickelt, seit dem Staatsbankrott vor einigen Jahren. Ähnlich wie in Chile wird sehr viel wert auf das Kollektiv gelegt. Viele liegen der Präsidentin Kirchner zu füßen, weil sie ein Symbol für die argentinische Unabhängigkeit darstellt und die Leute Stolz auf diese Errungenschaft sind. Ich hab viele Menschen getroffen, die so ticken. Viele Lobhymnen gehört. Natürlich gibt es auch eine andere Seite.

Die Mitnahmebereitschaft ist gut vorallem im Süden. Das liegt aber auch wieder daran, dass die Menschen sich aufgrund der langen Wege jemanden einladen möchten, der sie unterhält, damit sie nicht einschlafen. Ich hatte sogar Fahrer die nicht wollten, dass ich neben ihnen schlafe, was völligst verständlich ist, da sie das noch schneller müde macht. Mir war das Anfangs nicht bewusst. Aber wenn ihr im Süden unterwegs seid, dann macht euch klar, dass ihr auch mitgenommen werdet, damit der Fahrer auf den langen, geraden Strassen wach bleibt. Insbesondere bei Langstreckenlifts, die mehrere Hundert Kilometer zurücklegen. Das ist übrigens keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

Neben den üblichen netten Bekanntschaften auf den Straßen sind mir insbesondere die argentinischen Männer tendenziell unsympathisch geworden (no offence meine argentinischen Freunde, eher so eine generelle Beobachtung). In Argentinien herrscht eine Kultur der Provokation, so war manchmal mein Eindruck. Ein Argentinier, bei dem ich untergekommen bin, erklärte mir am Beispiel seines Fußballvereines, dass ihn seine Fanfreunde annerven, da man sich mehr über die Niederlage des Rivalen mehr freut, als über den Sieg der eigenen Mannschaft. Bezeichnend. Aber das ist auch eher so ein Mann-zu-Mann Ding. In Südamerika haben die Argentiniern generell den Ruf, arrogant zu sein und sich für etwas besseres zu halten. Ich finde Arroganz nicht so schlimm und es ist manchmal auch etwas sexy. Kann aber auch nerven.

Straßen

Ein Traum. Straßenqualität ist okay, aber man findet IMMER einen Platz zum stehen. Argentinien hat sehr viel Platz und das macht das Trampen sehr angenehm. Gab auch keinen Grund zu laufen. Lifts kamen immer relativ schnell und gingen immer recht weit.

Im Süden ist nur Campo. Karge, flache Ebene mit viel Wind, der bisweilen auch ziemlich kalt sein kann. Die Straßen dort sind schurgerade, ohne Kurven für hunderte von Kilometern. Das hat einen gewissen Reiz und man kann dort schnell unterwegs sein. Aber es wird nach 2000-3000km auch etwas öde. Es befinden sich sehr viele Tiere am Straßenrand (Strauße, Emus, Hasen). Wirkt fast wie ein riesiger Streichelzoo. Allerdings: Ein riesiger Streichelzoo durch den regelmäßig 40-Tonner mit Höchstgeschwindigkeit fahren. Oder auch Postal 2 in real. Die Tiere sind im Falle eines Roadkills nicht nur einfach Platt gefahren werden, sondern werden in alle Richtungen zerstreut. Hier ein Bein, da ein anderes Körperteil. Schon etwas anders als in Uruguay, wo ich ebenfalls viele Roadkills ausgemacht hatte.

Ansonsten hat Argentinien einen Vorteil, der das Reisen mega angenehm macht. An den Tankstellen gibt es freies W-Lan. Flächendeckend. Das heißt, wann immer ihr euch ein Eis holt, könnt ihr nebenbei kostenlos im Internet surfen. Das war auch ein Grund, weshalb ich irgendwann auf der Straße fest hing. Gab keinen Grund mehr, diese zu verlassen. Essen, Internet, Lifts…alles da. Hier lässt es sich Leben.

Taktik

Eigentlich muss man in Argentinien nicht viel beachten. Es gibt manchmal Ortsumgehungen mit schönen Kreisverkehren, sodass die Stadtüberwindung sehr einfach gemacht wird. Ansonsten positioniert euch sichtbar und gebt euer Handzeichen nicht zu früh. Ich persönlich lasse die Autos oft erstmal beobachten, was ich da mache und halte meinen Arm erst kurz vor Ankunft hoch. Besonders wenn die Autos eine lange Anfahrt mit guter Sicht haben.

Im Süden könnt ihr lange Strecken ohne Probleme zurücklegen und auch beim Nachttrampen hatte ich gute Erfahrungen gemacht. Dort aber vorwiegend an den großen Kreisverkehren, welche wirklich perfekt dazu geeignet sind. Gut ausgeleuchtet, viel Fläche, einsam. Perfektes Szenario. Für das Nachttrampen lohnt es sich ebenfalls grundlegende Qualifikationen zum servieren von Mate-Tee zu erlernen. Viele Fahrer erwarten, dass ihr Mate macht, dafür dass sie euch Nachts mitnehmen.

Fotos

Besonderheiten

Argentinien ist Fleischnation. Wenn ihr eine typisches Parilla esst, dann ist das meist Wurst, eine Art Rippchen (Asado) und dazu noch ein Brocken Fleisch. Ansonsten eigentlich nichts. Außer vielleicht Baguette. Ich hab nach solchen Fressgelagen immer schlecht geschlafen, aber lecker ist es schon irgendwie. Fleisch ist eines der billigsten Nahrungsmittel und die Qualität ist recht gut, allerdings (und das dürft ihr keinem Argentinier auf die Nase binden, wenn ihr nicht seine Ehre verletzen wollte) ist die Qualität nicht so gut wie in Europa. Reinst imho, versteht sich.

Ushuaia ist das Ende der Welt. Sieht aus wie ein Alpenort. Sehr schön da unten und um den Wegpunkt mitzunehmen ein gutes Ziel. Wer kann schon sagen am Ende der Welt gewesen zu sein? Auch wenn es ein chilenisches Dorf weiter südlich gibt. Kann man mal vorbeischauen.

Der Norden ist etwas leblicher in Argentinien. Ab Mendoza gibt es guten Wein, die Erde wird wieder fruchtbar und alles ist grün und schön. Ich war wirklich erstaunt, wieviel karge Fläche im Süden vorhanden sind und das dort außer ein paar Tieren nichts wirklich überlebt. Keine Pflanzen mit Früchten. Keine Bäume. Bei soviel sinnloser Fläche ist dann auch wieder verständlich, wieso Argentinien soviel Fleisch züchtet.

Im Westen bei Mendoza, nahe der Anden, gibt es Wein. Hostels die jeden Tag kostenlosen Wein zur Happy Hour anbieten. Touren durch die Weinfelder. Es ist sehr angenehm dort und lebt sich gut. Durch die nahen Berge kann man schnell abwechslungsreiches Terrain besichtigen. Allerdings ist alles etwas Mafia verseucht.

Buenos Aires ist eine der schönsten Städte, die ich je besucht habe. Großartige Architektur, etwas französisch angehaucht. Sehr europäisch, schöne Menschen, viel Trubel und gute Party´s. Ich komme wieder, bestimmt!

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