Trampen in… (11) Bolivien

Mountain road
Mountain road

Prolog

Nachdem ich mehrere Monate durch Argentinien und Chile getrampt bin und Wüsten und Steinmeere durchquerte habe, erschien mir Bolivien wie eine grüne Oase. Das Land hat viele Gesichter. Es gibt Regenwald, karge Hochebenen, wunderschöne Gebirgsstrassen und fruchtbares Ackerland. Insgesamt mein Lieblingsland in Südamerika. Wegen den Menschen, der Landschaft, aber vor allem wegen dem Trampen in Bolivien, was sich, trotz aller Warnungen als absoluter Riesenspaß herausgestellt hat!

Statistik

Zurückgelegte Distanz: 1329 Kilometer

Anzahl der Lifts: 47

Durchschnittliche Wartezeit: 24 Minuten 44 Sekunden

Standzeit Gesamt: 19 Stunden 23 Minuten

Log gibts wie immer hier.

Meine Route

Ich betrat Bolivien nach einer Wüstentour durch die Atacama Wüste und trampte von Uyuni nach Sucre. Meine nächste Tour führte mich durchs absolut abgefahrene Hochplaetau von Sucre nach Oruro (laut google maps übrigens 8,5 Stunden für 350km und das nicht ohne Grund, wie ich selber herausfinden konnte). Von Oruro ging es über Quime und den nördlichen Yungas nach Coroico, von wo aus ich die Death Road trampte und über La Paz an die peruianische Grenze gelangte.

Menschen

Im Vorfeld wurde mir viel über die Bolivianer berichtet. Sie seien sehr unter sich, hassen Gringos und trampen würde überhaupt nicht funktionieren. Meine Erfahrungen waren ganz anders. Ich habe sehr viele überaus nette und interessierte Menschen während dem Trampen getroffen. Meine erste Tour nach Sucre war die Entspannteste meiner ganzen Reise. Nur freundliche Menschen in den Autos. Keine Spur der viel beschworenen Distanz im Vorfeld.

Prinzipiell habe ich die Bolivianer als sehr bescheiden und zurückhaltend wahrgenommen, jedoch keineswegs feindseelig oder unfreundlich. Außer in Coroico, aber das war auch ein Touri-Loch. Tourismus macht Menschen zu Blutsaugern, leider. Aber das ist überall so. Mit einem Lächeln und einer offenen Art kommt man meist schnell in Kontakt. Auch wenn die Bolivianer im ersten Moment manchmal etwas mürrisch und uninteressiert wirken, so versteckt sich hinter der Fassade doch ein sehr nettes Völkchen. Ich hab mich überaus sicher gefühlt in Bolivien, obwohl ich einmal fast ausgeraubt worden bin.

Straßen

Die Hauptstraßen sind in exzellentem Zustand und es ist eine wahre Freude sich durch die bolivianische Berglandschaft zu bewegen. Easy roads. Entspannt befahrbahr. Nicht zuviel und nicht zu wenig Verkehr. Die Autobahn nach La Paz ist schnell und unkompliziert. Wenn ihr auf den Hauptstrassen bleibt, dann sollte es nichts Besonderes geben. Flächen zum Anhalten müssen manchmal etwas gesucht werden, allerdings ist das Verkehrsaufkommen so entspannt, dass die Autos auch mitten auf der Straße anhalten können. Die Autobahn verfügt über den übliche Standstreifen.

Solltet ihr allerdings das gleiche Abenteuer wie ich wagen und euch auf die kleinen abgelegenen Straßen des Inlandes begeben, dann bereitet euch auf langsame und anstrengende Fahrten vor. Die Straßen sind nur zum Teil geteert, zum Teil sind es mit Steinen durchsetzte Staubpisten. Wobei Staubpiste gut gemeinte Umschreibung ist. So in etwa wie die Transamazonica, nur eben in klein, noch langsamer und auf 4000m Höhe. Es lohnt sich auf jedenfall. Ein Riesenspaß, sag ich euch!

Ein absolutes Highlight, was ihr auf keinenfall verpassen solltet, ist der Yungas. Lange Gebirgspässe, die sich an den Steilwänden des Yungastales entlangwinden. Absolut wahnsinnige Ausblicke, tiefe Schluchten und viel Staub. Nichts für den entspannten Strandurlaub, aber das schönste Gebiet, was ich bisher betrampt habe.

Taktik

Trampen in Bolivien beinhaltet eine technische Schwierigkeit, die beachtet werden sollte und das sind Taxis (welche nicht gelb sind und auch kein Taxi-Schild haben), Busse, sowie private Mitfahrgelegenheiten. Es gilt ein Gespür zu entwickeln, welche Autos Bezahlverkehr veranstalten und welche privat unterwegs sind. Letzteres ist unsere Zielgruppe. Meist lässt sich das an der Automarke ganz gut erkennen (Taxis sind meist ein bestimmter Typ Auto) oder an der Anzahl/Art der Insassen. Es ist auf jedenfall anzuraten, sehr selektiv zu trampen. Dann klappt das aber auch ganz gut. Ich sollte allerdings dazu sagen, dass ich gegen Ende meiner Bolivien Tour ein bißchen frei gedreht habe und ALLEM trampte, was vorbei kam. Viele Taxis nehmen euch zum Beispiel mit, wenn ihr kurz erklärt, dass ihr kein Geld für Transport habt.

Ansonsten habe ich in Bolivien die „Laufen-Technik“ aus Brasilien erfolgreich angewandt. Ich glaube gegen Ende hab ich gar nicht mehr gestanden, sondern bin entweder gelaufen oder in einem Auto mitgefahren. Die Bolivianer haben großes Verständnis für Läufer und sind sehr hilfsbereit, wenn sie euch mitten in der Pampa sehen. Hat super funktioniert! In den ländlichen Regionen kann auch mit Motorrädern mitgefahren werden. Auf dem Land hält alles. Lauft los, lächelt, freut euch auf den nächsten Lift. Es ist nicht schwer in Bolivien.

Übrigens: Nach Geld wurde ich lediglich einmal gefragt. Es ist wohl verbreitet in Bolivien, jedoch trampen die Einheimischen nur bedingt. Nicht wie beispielsweise in Peru.

Bilder

Besonderheiten

Wenn man über Quime in den Yungas hineinfährt, passiert man eine ca. 60 km lange Abfahrt die über unzählige Serpentinen insgesamt fast 3000 Höhenmeter beträgt. Ein großer Spaß. Mit Quime erreicht ihr das Tor zum Yungas. Diese Gegend solltet ihr nicht missen!

Sucre ist die Hauptstadt zum Spanisch lernen in Südamerika, da die ehemalige Kolonialregierung hier ihren Hauptsitz hatte und dort, so heißt es, das beste Spanisch des Kontinentes gesprochen wird. Viele Reisende kommen hierher zum lernen, da die Unterrichtsstunden mit 5$-7$ für Privatunterricht unschlagbar günstig sind. Tip: Erst über eine offizielle Schule mit einem Lehrer in Kontakt kommen und dann außerhalb der Schule mit demselben weiterarbeiten. Die kriegen meist nur 50% des bezahlten Preises und wenn ihr mit ihnen privat etwas ausmacht, dann profitieren meist alle Seiten davon.

Die Death Road ist berühmt und berüchtigt. Kann mit dem Mountain Bike runtergefahren werden. Macht sicher Spaß. Insgesamt eine sehr schöne und etwas weniger gefährliche Straße, als der Name vermuten lässt. Generell sind alle Straßen im Yungas gefährlich und die Menschen wissen das. Allerdings halte ich den Stadtverkehr in Lima für weitaus gefährlicher, als die ländlichen Bergpässe in Bolivien.

Es gab kein Land indem ich mit so vielen verschiedenen Transportvehikeln mitgefahren bin, wie in Bolivien. Insbesondere mit LKWs, die immer einen Platz auf der Ladefläche hatten. Unzählige Pick-Ups, Motorräder, Bagger, Krankenwagen, Lastwagen…..herrlich. Ein Paradies.

Ich hatte einmal eine Serie von fünf Lifts in Folge, wo jedes mal (!) das erste Auto angehalten hat. Mein Rekord. In keinem Land hat das so gut funktioniert. Fünf „Einser“ Lifts.

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