Ausgeraubt werden – Mein erstes mal

Sitze gerade in meinem Hostel, habe mir eine Schachtel Malboro gekauft. Mein Akku hat noch 12% aber ich schreibe die Story noch schnell. Gestern sind wir unterwegs gewesen in Bolivien, im schönen Sucre. Eigentlich ein freundlicher Touristenort. Wir waren 4 Leute, ein Rucksack und einer meiner Weggefährten hat sein I-Phone in die Frontttasche gepackt. Es hat nicht lange gedauert, da haben irgendwelche Langfinger das I-Phone rausgefischt, ohne das wir es gemerkt haben. Prolog Ende.

Aufgrund von emotionalen Turbulenzen hatte ich einen guten Grund zum trinken. Ich bin also alleine durch die Bars gezogen. Hatte nette Bekanntschaften mit Hallensern, Leipzigern und zuletzt mit einem trinkfesten Schotten. War eine sehr erfreuliche Begegnung. Ich bin gewohnt als letzter am Tisch übrig zu bleiben und Menschen die sich selbst nach der bezahlten Rechnung nochmal mit freudestrahlender Selbstverständlichkeit einen Pitcher mit mir teilen, sind mir grundsätzlich sehr sympathisch.

Danach Heimweg. Saubere Stadt. Alles wirkt sicher. Mein Hostel war 5 Blocks entfernt. Nicht sehr weit. Ich gehe also die Seitenstraße entlang. Es tauchen 4 Bolivianer rechts von mir auf. Ich überquere die Kreuzung. Die ganze Situation erschien mir sofort etwas verdächtig, daher habe folgte nach ein paar Metern nochmal ein Schulterblick.

Ich bemerke, dass die vier sich aufgeteilt haben auf die beiden Straßenseiten. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr genau, was dann passiert ist. Klar war sofort, die wollen mich ausrauben. Ich, Bart, Gringo, Brustbeutel und nebendran noch meine Kameratasche (die lässt sich so schwer abmachen und normalerweise nehme ich sowas nicht auf Sauftouren mit, aber heute war alles etwas speziell). Das perfekte Ziel.

Ich war komischerweise nicht sehr beeindruckt, vielleicht wegen des Alkoholes. Aber es waren vier an der Zahl. Mein Unterbewusstsein hatte offensichtlich keine Lust die neue Kamera zu verlieren und es waren noch nicht alle von der Gruppe um die Kurve. Anstatt wegzulaufen bin ich (ohne nachzudenken, aber machte wohl Sinn) direkt in die Gruppe hinein gelaufen.

Ich bin mitten in sie reingelaufen. Hab irgendwas geschriehen. War längst nicht so dramatisch wie es klingt. Eher so nach dem Motto „Hey hey hey Freunde!“. Die ersten beiden hab ich schnell hinter mir gelassen, da sie am Straßenrand waren. Ein Dritter hat versucht mich zu fassen, aber mit zwei Haken war ich auch an ihm vorbei. Ich weiß, dass ich ziemlich schnell sprinten kann und mehr als 2-3 Meter sind die mir auch nicht hinterher.

Ich krieg es ehrlich gesagt nicht mehr zusammen, wo genau Person Nummer 4 war. Was ich aber noch genau weiß ist, als ich in die Gruppe reingelaufen bin, hat sich einer gerade seinen Schal über das Gesicht gezogen, wie ein Hooligan. Ehrlich gesagt hab ich komplett meinen Respekt verloren, als ich das gesehen habe. Was für Amateure. Kein Messer, keine Waffen und dann noch dieses lächerliche Verkleiden um ne Drohkulisse aufzubauen. Ich weiß nicht warum, aber wenn ich daran denke, dann werde ich wirklich wütend. Was hat der Idiot sich nur dabei gedacht?

Anyway: Ich war schnell raus aus der Situation. Die Vier laufen weiter als sei nichts gewesen. Ich drehe mich um, sehne mich in Sicherheit und gehe erstmal in die entgegengesetzte Richtung. Beim nächstebesten Bolivianer eine Zigarette geschnorrt und nach der nächsten Polizeistation gefragt.

Da bin ich dann auch hin. Streifenwagen war gerade am Wegfahren, hat mich an die schlafenden Polizisten im Büro verwiesen. Ich hab denen in meinem gebrochenen Spanisch erklärt was passiert ist und um Aufmerksamkeit gebeten. Keine Ahnung, ob die dem Nachgehen. Hatte mir ausgeraubt werden (oder der Versuch) eigentlich etwas unspektakulärer vorgestellt. So mit Messer und Kohle rausrücken und nicht mit vier Pissern, die mich über die Straße jagen. Die können gerne mein Geld haben, aber nicht so.

Bolivianer sind nett und zuvorkommend. Das war sicherlich ne spezielle Situation und wenn ich nicht so dezent betrunken wäre, hätte ich diesen Run auch nicht gewagt. So im nachhinein bin ich jedoch eher angepisst, als dass ich Angst hätte. Obacht ist natürlich angesagt. Und wenn mich jemand ernsthaft bedroht, dann Rücken ich sofort alles raus, was ich habe. Die haben aber sone lächerliche Drohkulisse aufgebaut, dass ich lieber mit 3-4 Anderen zurückgekommen wäre und denen auf die Fresse gehauen hätte. Was bilden die sich eigentlich ein? Ich versteh das immernoch noch.

Also keine Sorge. Alles gut. Mir geht’s gut. Nichts weiter passiert. Aber in Sucre schau ich die nächsten Tage zweimal hin, bevor ich mich bewege.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.