Von Stahlbooten und Trinitad

Ich und die Fairy Winds Crew

Wir segelten nach Trinitad. Sieben Menschen auf einem 53ft Boot klingt erstmal anstrengend. Ist es aber ganz und garnicht. Mein letzter Bootlift war ein 1991 gefertigtes Stahlboot mit zwei Masten, hergestellt in Bremen zu Zeiten der deutschen Wirtschaftskrise. Damals gab es anscheinend keine Aufträge, also haben die Werften einfach ihr vorhandenes Material verbaut. Es ist schon die zweite Schwedentruppe in meinem Alter, die ich mit einem solchen Boot kennengelernt habe. Das Prinzip ist immer gleich, Zweimaster, 1991, gebaut in Deutschland, Stahlboot, viele junge Leute drauf und eine Menge Spaß beim segeln. Und besonders ein Fakt, es wird von Hand gesteuert.

Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass fast alle Boote heutzutage eine Menge Elektronik besitzen und eben auch mit einem Autopiloten ausgestattet sind, der die komplette Überfahrt regelt. Per Hand steuern bedeutet, dass 24/7 immer jemand am Ruder stehen muss und bei jedem Wetter das Boot geführt wird. Ich persönlich empfinde das Steuern als sehr angenehm, es macht Spaß und hier kommt dann auch das richtige Segelfeeling auf. Leider ist das alles andere als üblich heutzutage. Daher war ich froh, dass ich diese Erfahrung mit der Schwedentruppe machen konnte.

Es ging eigentlich noch darüber hinaus, weil auch die Segel und eigentlich ALLES an Board ohne elektrische Unterstützung und anderer Errungenschaften der modernen Technik geregelt worden ist. Alles per Hand. Die Crew war ein eingespieltes Team, ich konnte mich da nur bedingt einbringen, aber was hier passiert ist, traf exakt meine Vorstellung von segeln. Gerne wieder.

Ansonsten war auch das Leben an Board sehr entspannt. Es gab frisch gebackenes Brot, Schokoladenkuchen, eine sehr junge Staffordshire Terrier Dame, einen angenehmen Kapitän und Zigaretten.

Endlich auf Festland, oder doch nicht?

Nun sitze ich in Trinitad und muss 70km Luftlinie zum nächsten Hafen in Venezuela überbrücken. Auch das ist wieder alles andere als einfach. Es existiert keine Fähre mehr. In Venezuela ist es außerdem sehr gefährlich. Alle Leute warnen mich, alle Leute meinen ich werde wohl sicher sterben und niemand will dahin. Wahrscheinlich war auch niemand von all diesen Menschen jemals in Venezuela. Ein Freund von mir, welcher diesselbe Route wie ich gemacht hat, meinte auf jedenfall es sei nicht so schlimm. Das Problem an dieser Massenhysterie ist eher, dass es für mich sehr schwer ist, in dieses Land zu kommen. Unglaublich schwer. Die einzige Fähre hat den Betrieb vor einem Jahr eingestellt. Ätzend. Aber wird schon.

Morgen früh um 10 Uhr soll hier ein kleines Boot in das Fischerdorf einlaufen, was Venezuelaner bringt. Keine Ahnung was die hier machen, aber das Boot fährt auf jedenfall auch wieder zurück und ich sehe es als meine einzige Chance endlich aufs Festland zu kommen.

Danach sieht meine Zukunft endlich wieder rosig aus. Es warten 8000km Straße, eine Schiffahrt auf dem Amazonas, ca. 2 andere Flüße die per Fähre überbrückt werden müssen, aber ansonsten eine „direkte“ Straßenverbindung bis runter nach Uruguay. Endlich nicht mehr auf Inseln vergammeln. Endlich wieder trampen. Ich kann es garnicht abwarten, habe heute schon meinen liebsten Tramperanzug gewaschen, damit ich dann übermorgen wieder rausgeputzt und munter an der Straße stehen kann. Schon über zwei Monate her, als ich das letzte mal auf Festland getrampt bin. Wird Zeit das zu ändern. Die Route ist auch mega spannend und ich hoffe in 12-14 Tagen nach meiner Überfahrt in Uruguay anzukommen. Und dann kann ich mich endlich auf meine Reise vorbereiten.

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