Endlich mal segeln! Etappe 1: Gibraltar – Lanzarote

schöne Brandung auf Teneriffa
Kein Badestrand aber eine schöne Brandung.

Segeln ist langweilig. Segeln ist langsam. Segeln ist anstrengend. Aber Segeln hält auch ein gewisses Maß an Faszination bereit.

Auf einem Segelboot gibt es nicht viel zu tun. Segelmanöver, Wachzeit absitzen, Verkehr beobachten, Essen kochen, zu anderen Booten funken, schlafen und starren. Vorallem mit dem Starren in die sich auftürmende Dünung verbringt Mensch viel Zeit. Nach einer Weile verfällt die Besatzung in einen Modus ohne Zeitgefühl und verliert sich im wiederkehrenden Wellengang. Das Wasser zieht dich in seinen Bann.






Land in Sicht. Lanzarote am Horizont!
Land in Sicht. Lanzarote am Horizont!

Es geht los – Segeln ist anstrengend

Ich wurde tatsächlich Seekrank. Mir war etwas unwohl und ich wurde sehr sehr müde. Ich habe viel geschlafen, bei jedem Wellengang. Meine Mitsegler haben sich gewundert, dass ich so viel schlafen konnte und nicht das ganze Boot vollgekotzt habe. Ich denke ich bin etwas erschöpft von meinem Leben und diese Müdigkeit wird mich in den nächsten Wochen und Monaten noch etwas begleiten.

Der erste Tag auf See fing an in strahlendem Sonnenschein um 6 Uhr in der früh. Wir verließen den Hafen, hissten die Segeln und zogen davon Richtung Atlantik über die Straße von Gibraltar. Bald verabschiedete sich der Wind und meine aufkommende Segelromantik wurde je zerstört, durch das Lärmen und die stinkenden Abgase des Motors, der uns fortan antreiben sollte. Segler sind auf Wind angewiesen. Ist dieser Wind nicht vorhanden wird mit Motor gesegelt. Die ersten 40 Stunden sollten wir oft mit Motor segeln. Doch dann kam zum Glück Wind auf. Und aus dem Wind wurde Sturm.

Der Kapitän dreht durch – Segeln macht krank

Als wir unsere Nachtwache antraten, saß Rene unser Kapitän auf Deck und steuerte in seinem gelben Segelanzug das Boot bei starkem Wind und hohen Wellen. In seinen Augen spiegelte sich ein Hauch von Wahnsinn wieder und er kommentiert den harten Seegang süffisant mit: „Haha, das ist segeln!“ Mir wurde schlecht, ich musste eine Reisetablette einwerfen und fragte mich, wieso ich mir das eigentlich antue. Die Müdigkeit kam auf und ich schlief unter Deck ein. Als ich aufwachte steuerten wir mit vollem Motorengedröhne einen Industriehafen in Marroko an, um vor dem tosenden Wellengang Schutz zu suchen.

Blut und Nahrung. Unser Kapitän zerlegt einen Thunfisch.
Blut und Nahrung. Unser Kapitän zerlegt einen Thunfisch.

Wir ruhten uns eine Nacht aus und zogen am nächsten Morgen in Richtung Lanzarote weiter. Madeira war fortan nicht mehr unser Ziel. Ich fragte mich zu dieser Zeit, wie ich die weiteren vier Tage überleben sollte und ob es eine gute Idee war, den Atlantik mit dem Boot zu überqueren. Glücklicherweise zeigte sich Neptun barmherzig und wir hatten ab Tag drei wunderbaren Sonnenschein, eine sehr angenehme Dünung und segelten entspannt unserem Ziel entgegen. Erst da erkannte ich, dass Segeln eigentlich auch ganz schön sein kann. Aber eben auch langweilig.

Die Highlights der folgenden Tage war ein Frachter der unseren Weg kreuzte und auf eine Seemeile an unser Boot heran kam, ein gefangener Tunfisch und der Vollmond, welcher während den Nachtwachen für eine angemessene Beleuchtung sorgte. Ansonsten blieb einem nur das Starren. Ich warte sehnsüchtig auf den ersten Tag ohne Mond, weil sich dann der Hochsee-Sternenhimmel in seiner vollen Pracht zeigen wird.




Bewegung mit einem Boot – Segeln ist langsam

Stichwort Langsam. Ein Segelboot macht im Durchschnitt 9-10 km/h. Im Vergleich zu einem Auto ist das natürlich ziemlich erbärmlich. Wenn ich mir vorstelle, wie schnell ich dieselbe Strecke in Autos trampen könnte, werde ich immer etwas trübseelig und Ungeduld macht sich in mir breit. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten in Brasilien wieder guten soliden Asphalt unter meinen Füßen zu haben.

Fast 6 Tage hat der erste Seegang meines Lebens gedauert. Nun befinden wir uns wider erwarten in Lanzarote auf den kanarischen Inseln. In den nächsten Tagen geht es weiter nach Teneriffa, von wo aus wir dann versuchen werden den nächsten Lift zu kriegen. Mein Weg wird Richtung Süden führen, über die kaperdischen Inseln nach Recife/Brasilien. Aber vorher wird noch auf den 3700m hohen Vulkan in Teneriffa getrampt!

5 Comments

  • Na mein Lieber, da hast Du ja schon was hinter Dir.
    Teneriffa ist zu empfehlen, besonders die „Mond“-Lanadschaft um den Berg Teide. Wenn möglich, solltest Du mal in das Bergdorf Aqumansa (1000m hoch), hier ist die Welt zu Ende. Es ist sehenswerter vom Norden (Puerto de la Cruz) aus an malerischen Dörfern in die Berge zu fahren, vom Süden her nicht so schön.
    Wünsche Dir weiterhin viel Spaß und bleib Gesund.

    Dein Dad

  • Fängt gut an, macht Spaß dein Blögchen zu lesen. Ein paar mehr relevante Sporttramper-technische Details wären toll 😉 Und gewöhn dich schonmal an die langeweile Ruhe auf hoher See, davon wird’s hier unten noch viel mehr geben 🙂 Sei froh, endlich dem Hektikmolloch Westeuropa entflohen!

    • Es wird jetzt das trampen geloggt. Zu jedem Land gibt es spezielle Trampartikel. Und ich werde in den nächsten Wochen auf langsam mit der Equipmentkunde einsteigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.