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	<title>Trainhopping &#8211; Warm Roads</title>
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		<title>Trainhopping &#8211; Die Jungs aus der Gondola</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Dec 2015 20:14:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Trainhopping]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein Tag war recht ereignisreich. Um 5:12 Uhr morgens von der Polizeisirene geweckt. Das Meditationszentrum wird evakuiert wegen Waldbrand. Wir waren vorbereitet. Ich hatte...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Mein Tag war recht ereignisreich. Um 5:12 Uhr morgens von der Polizeisirene geweckt. Das Meditationszentrum wird evakuiert wegen Waldbrand. Wir waren vorbereitet. Ich hatte einen Lift mit Rusty in seinem Asche bedeckten Toyota. Rusty hatte ich beim Meditieren kennengelernt. Er sah aus wie der Junge Mark Twain und reiste mit seinem Auto seit einigen Monaten durch die Staaten. Rfoad trip. Er nahm mich 400km nach Norden mit. Lag auf seinem Weg. Er musste zu einer Gerichtsverhandlung in Idaho wegen Cannabisbesitzes.<span id="more-1248"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Wir gingen noch zusammen Pizza Essen und schauten uns ein Football Game der Dallas Cowboys an, bevor er mich zu den Gleisen fuhr, wo ich einen Zug hoppen wollte. Es war bereits 22:00 Uhr Sonntag Abend. Ich hatte keine großen Erwartungen, da Sonntags kaum Züge fahren und stellte mich auf eine lange, kalte Nacht ein. Der Yard war bekannt für seinen Bull und daher zog ich es vor mich Nachts zu Bewegen. Ich machte es mir auf einem der abgestellten Wagons gemütlich und rauchte eine Zigarette.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu meiner Verwunderung kam nach ca. 30 Minuten ein Zug. Völligst überrascht packte ich rasch meine Sachen. Das Adrenalin stieg. Dies sollte das Erste mal sein, dass ich alleine und ohne Hilfe ein Car finde. Der Zug war lang und hatte fast ausschließlich Pig Trailers. Schlecht zum aufspringen, aber ich hatte es sowieso auf die End-Unit abgesehen. Die Lok am Ende des Zuges. Bevor ich meine Trainhopping Karriere vorzeitig beende, wollte ich auf jedenfall nochmal in einer Unit mitfahren. Ich lief also Richtung Ende. Das hat ca. 5 Minuten gedauert. War ein langer Zug. Und zu meiner Überraschung gab es keine End-Unit. Mist, also schnell zurück und was anderes finden.</p>
<p style="text-align: justify;">Während ich noch suchte, rollte ein zweiter Zug ein. Auch in meine Richtung. Das war alles sehr aufregend. Erst dachte ich, da kommt ein Auto. Dann sah ich den Zug. Ich musste mich gut verstecken, als dieser vorbei fuhr. Der Zug hielt an, aber weit weg von mir. Er hatte wohl Priorität. Mit einem langen Crew Change konnte ich ihn vielleicht noch erreichen. Also lief ich zurück. Wieder 5 Minuten. Es gab ein paar offene Box Cars. Ich wollte schon immer mal in einem Box Car fahren, aber die waren am falschen Zug dran. Also weiterlaufen. Ich wollte den Priority Train kriegen!</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann erreichte ich endlich den anderen Zug und konnte mich zwischen den Wagons verstecken. Gute Deckung. Niemand wird mich hier sehen. Die meisten Wagons waren nicht zum mitfahren geeignet. Es war schwer etwas zu finden. Plötzlich hörte ich knirschenden Schotter. Bahnarbeiter! Die inspizieren anscheinend den Zug. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Mir ging ordentlich die Muffe. Wenn die mich finden, dann krieg ich ein Problem. Ich musste eins mit der Dunkelheit werden. Ganz ruhig stand ich zwischen den Wagons und versuchte nicht zu atmen. Ich hörte weiteres Knirschen. Stimmen. Irgendwer unterhielt sich hier. Aber das kam nicht von den Gleisen&#8230;&#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">Vor mir war eine Gondola. Wunderschöner Wagon. Die Stimmen mussten da herauskommen. Kann sich nur um andere Trainhopper handeln! Ich kletterte vorsichtig über den Rand und schaute ins Innere. Da waren ein paar Jungs drin! Drei Hobos, die aussahen, als kommen sie gerade von einer Steam-Punk-Convention. Dazwischen ein 50 Pfund schwerer „Welpe“, von der Größe eines Jungkalbs. Die waren natürlich sichtlich geschockt, als plötzlich jemand über den Rand des Wagons schaute. Ich blieb ganz ruhig. „Ey Jungs, habt ihr Platz für mich?“. Allgegenwärtige Erleichterung. Sofort kam einer der Drei angelaufen, um mit meinen Gepäck zu helfen. Als ich in der Gondola war, kam das erste Kommando von seinem Kollegen „Down!“. Sofort runter. Afety first.</p>
<figure id="attachment_1249" aria-describedby="caption-attachment-1249" style="width: 521px" class="wp-caption alignright"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load.jpg"  rel="lightbox[1248] attachment wp-att-1249"><img class="size-full wp-image-1249" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load.jpg" alt="Heavy load in der Gondola." width="521" height="780" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load.jpg 521w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load-200x299.jpg 200w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load-150x225.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Heavy-load-400x599.jpg 400w" sizes="(max-width: 521px) 100vw, 521px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1249" class="wp-caption-text">Heavy load in der Gondola.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Wir quatschten etwas. Die Drei hingen seit einer Woche in dem Ort fest und haben auf einen Zug gewartet. Keine Ahnung wie da eine Woche kein Zug durchkommen sollte (UP läuft täglich durch dieses Kaff, aber irgendwie haben die es nicht geschafft dort rauszukommen. Ich gab ihnen Zigaretten und sie teilten ihr Bier mit mir. Es gab was zu Kiffen und die Fahrt versprach lustig (und kalt) zu werden. Gondolas sind generell die besten Wagons für eine gepflegte Party auf dem Zug.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich kann mich an keinen Namen mehr erinnern. Aber ich weiß, dass mindestens einer der Jungs schon im Knast saß wegen Trainhopping und ein ernstes Problem bekommen sollte, wenn er nochmal gefasst werden sollte. Zum Glück hatten sie ein Handy und wir konnten die Wagons um uns herum checken. Leider kamen nur sinnlose Richtungen heraus. Nagut. Geht ja nur nach Norden von hier. Hoffen wir einfach mal, dass alles gut geht. Wir platzierten uns auf der Ladung der Gondola. Es waren Betonplatten. Sitzt niemals zwischen Ladung und Wand! Wenn die Ladung rutscht, dann seid ihr Brei.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Zug startete. Diese Nacht war wohl die brutalste Anfahrt, welche ich bisher erleben sollte. Man konnte die krachenden Kupplungen vom vorderen Ende des Zuges hören, noch ehe wir uns in irgendeiner Weise bewegten. klack, Klack, KLack, KLAck, KLACk, KLACK. Dieses markerschütternde Geräusch, dass immer näher kam, bis es letztendlich unsere Gondola losriss. Es knallte, wie bei einer Explosion. Ruckartig setzten wir uns in. Eine krasse Erfahrung. Züge sind brutal.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Nacht versprach wieder einen schönen Sternenhimmel. Ich machte mir nicht die Mühe über den Rand des Wagons zu schauen. Meine Begeisterung für Landschaft war an diesem Abend nicht sehr groß. Lieber die Fahrt einigermaßen gut hinter mich bringen. Schlafsack und Isomatte rausgeholt. Aus meinem Pappkarton eine wärmende Schale für meine Füße gebaut. Und dann nur noch dick einpacken gegen den kalten, stetigen Fahrtwind. Die Gondola wurde mitunter in heftige Schwingungen versetzt. Hin und Her, Vor und Zurück, so grobschlächtig wie ein Oger, der gerade ein Baby in den Schlaf wiegen möchte. Die Fahrt war nicht wirklich entspannend.</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann kam einer der Jungs an meine Schulter. Ob ich noch eine Zigarette hätte? Er hat auch was zum tauschen. „Klar!“, meinte ich. Ich gab ihm die Zigarette und er gab mir etwas flaches, plattes in die Hand. „Was ist das?“ „Acoin.“ Ich verstand nichts. „Is this LSD? Drugs?“, ich dachte er steckt mir jetzt einen Trip zu. Keine Ahnung wieso. Vielleicht war hier auch der Wunsch Vater des Gedanken. „No, a coin!“ „What is this?“ „It is an old Gipsy currency, not used so much anymore.“ Es war eine Art Münze. Alte Hobo-Währung. Das fand ich ziemlich stylisch. Hab mich sehr darüber gefreut. Subkultur live. Ich mag die Hobos und ihre alternative Gesellschaft.</p>
<figure id="attachment_1252" aria-describedby="caption-attachment-1252" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin.jpg"  rel="lightbox[1248] attachment wp-att-1252"><img class="size-full wp-image-1252" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin.jpg" alt="A coin" width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin-768x513.jpg 768w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/A-coin-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1252" class="wp-caption-text">A coin</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann gegen Morgengrauen, ich hatte anscheinend tatsächlich irgendwie geschlafen in diesem eiskalten-Wind-Gewackel, tippte es auf meine Schulter. „Dude, we are at our destination. We packed our stuff already. Next stop will be Portland. Just stay on the train.“ Die Drei waren ready to go. Ich gab noch ne Runde Zigaretten, fragte ob ich ein Foto machen dürfte. Der Zug hielt etwas ruppig an. Der Stress begann. Schnell alle runter! Die Air-Break zischte. Es war noch Druck auf den Schläuchen! Ein sicheres Zeichen, dass wir gleich weiter rollen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der arme Hund, er saß schon die ganze Fahrt so verunsichert herum, fing an zu heulen. „Quiet!“, es gab einen Klapps vom Besitzer. Der Hund wurde auf den Rand des Wagons gewuchtet und sprang die 4 Meter nach unten. Im selben Moment startete der Zug wieder durch. Es gab eine kräftigen Ruck in der Gondola. Der letzte meiner Hobo-Freunde saß noch auf der Kante und musste sich festhalten, um nicht runterzufallen. Jungs jungs, was macht ihr hier nur? Gefährliche Aktion. Dann waren sie weg. Ich kramte mein Pack zusammen und suchte Deckung. Wir rollten in den Yard und blieben erstmal stehen. Crew Change. Ich spähte vorsichtig über die Kante, um mein Umfeld zu observieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Stunden wartete ich, bis mir klar wurde, dass wir doch nicht auf den Hauptgleisen, sondern mitten im Yard standen. Mein Zug sollte wohl nicht so schnell weiterziehen. Scheiße. Es war helllichter Tag und ich musste irgendwie hier runter. Bis zur nahe gelegenen Straße waren es ca. 150m und dazwischen standen vier Züge. Einer davon gerade eingerollt. Der würde gleich weiterfahren. Alles war voll mit Bahnarbeitern, die mit ihren Kränen und Autos herumfuhren. Und der Yard-Bull natürlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich kletterte aus meinem Wagon. Das sollte ein Spießrutenlauf werden. Sprint zum ersten Zug. Über den Wagon klettern. Ausschau halten nach Bewegung in Yard. Auf den nächsten Zug drauf. Da kam ein Auto. Scheiße. Hoffentlich haben die mich nicht gesehen. Schnell an die Seite des Wagons, um Schutz vor dem Auto zu suchen. Es fuhr vorbei. Irgendwann war ich auf dem vorletzten Zug. Nur noch der Zug auf den Hauptgleisen vor mir. Eigentlich klettert man nicht über Züge, sondern läuft drum herum. Und schon gar nicht klettert man über Züge, die jeden Moment weiterfahren. Aber ich war hier mitten im Yard, stand zwischen zwei Wagons ohne große Deckung und MUSSTE hier einfach so schnell wie möglich raus. Der Zug bewegte sich nicht. Ich wartete 2-3 Minuten. Beobachtete den Stahlriesen. Dann entschied ich mich für einen Go.</p>
<p style="text-align: justify;">Rennen zum Zug. Kurz lauschen. Keine Air-Break zu hören. Raufklettern. So schnell wie möglich an die andere Seite kommen. Hoffentlich rollt der jetzt nicht los! Absprung. Nur noch die Straße vor mir. Erstmal ins erste Gebüsch geworfen und verschnauft. Was ein aufregender Morgen. Ich hätte nicht mit so einer Yard-Flucht gerechnet. Normalerweise springt man ab, bevor man in den Yards endet.. Zum Glück hat mich niemand gesehen. Jeder kleine Konflikt mit dem Gesetz hätte mir meinen Visa-Antrag versauen können. Ich beschloss ab hier zu trampen und (vorerst) keine weiteren Züge zu hoppen. Genug erlebt. Genug gelernt.</p>
<figure id="attachment_1250" aria-describedby="caption-attachment-1250" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz.jpg"  rel="lightbox[1248] attachment wp-att-1250"><img class="size-full wp-image-1250" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz.jpg" alt="Ma Boyz" width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz-768x513.jpg 768w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Ma-Boyz-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1250" class="wp-caption-text">Ma Boyz</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Trainhopping werde ich vermissen. Ich hab mich niemals mehr in Amerika gefühlt, als in der Zeit auf den Zügen. Es ist überhaupt nicht mit Trampen vergleichbar. Eine ganz andere Technik. Ein ganz anderes Gefühl. Ganz andere Welt. Die bisher aufregendste Zeit meiner Reise. Ich komme wieder! Nächstes mal besser vorbereitet. Mit technischen Equipment und dem aktuellsten Crew Change Guide. Besserem Schlafsack. Bereit für die schönsten Routen von Nordamerika. Bereit die Show um mich herum zu geniessen, während ich auf Stahlriesen durch Amerika surfe! In diesem Sinne: Highball!</p>
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		<title>Trainhopping &#8211; The Catwalk</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Dec 2015 14:31:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Trainhopping]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachts in Trainyards rumstreunen, bedeutet: Be a ninja. Bewege dich leise. Bleib in der Dunkelheit. Kleide dich schwarz. Lass dich verdammt nochmal nicht sehen....</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Nachts in Trainyards rumstreunen, bedeutet: Be a ninja. Bewege dich leise. Bleib in der Dunkelheit. Kleide dich schwarz. Lass dich verdammt nochmal nicht sehen. Wir beide waren nun auf einer Mission. Zwei Assasinen, die sich an ihr nächstes Opfer heran schlichen. Es war bereits Dämmerung. Ich wartete nahe de Gleisen mit unseren Rucksäcken. Roy kam gerade von einer Erkundungstour zurück. Unser hop-out lag mitten in den Yards. Ein freistehender Palettenhaufen, der in der Mitte einer Freifläche war, die ungefähe 7-8 Fußballfelder groß war. Irgendwie mussten wir dahin gelangen. Es war der beste Ort um auf den Zug zu warten. Ich wusste nun auch, wieso man von einem „Catwalk“ in diesem Yard sprach.<span id="more-1214"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Roy hatte alles die CrewChange-Informationen überprüft. Es sollte da ein Loch in der Mauer geben, durch das man auf das Bahnhofsgelände gelangen konnte. Das Loch gab es nicht. Wir mussten einen anderen Weg finden. Es gab wohl zwei Zäune über die klettern konnten. „Die sind da ziemlich tief“, meinte Roy.Über Zäune klettern hat sowieso mehr Stil als durch Löcher zu kriechen. „Mehr Stil“ hatte auch eine Gruppe Punks, die wir später beobachteten, wie sie mit ihren Hunden einfach stur über die Gleise rannten. Mitten durch die Flutlichter des Bahnhofs. Funktionierte anscheinend auch.</p>
<p style="text-align: justify;">Während wir uns über den weiteren Plan unterhielten, sah ich ein Auto patroullieren. „Down!“, baffte ich Roy an. Wir tauchten soforts ab ins hohe Gras. Die Security war unterwegs. Stay low und lass dich nicht sehen. Das Auto hielt 70m neben uns an, drehte langsam ab und fuhr in die andere Richtung weiter. „Good call.“, meinte Roy anerkennend. Es war Zeit zum Hop-Out vorzudringen. Das wurde hier langsam zu heiß. Wir schlichen uns über ein paar tote Gleise zum ersten Zaun, der war von anderen Trainhoppern schon „bearbeitet“ und angenehm zu überwinden. Wieder Gleise Rennen, wieder Zaun, ein Zug ertönt. Da fährt gerade was los in unsere Richtung. Scheiß Timing, schnell jetzt! Wir sprangen eine Geröllabhang herunter und hatten den riesigen Yard vor uns. Zwischen uns und den Gleisen war nichts, was Deckung versprach. Ca. 700m lange, flache, unbebaute Wiese, bestrahlt von großen Flutlichtstrahlern. In der Mitte dieser Wiese stand ein ungenutzter Turm mit Palettenstapel. Das war der Hop-Out.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk.jpg" rel="lightbox[1214]"><img class="size-full wp-image-1216 aligncenter" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk.jpg" alt="Catwalk" width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Catwalk-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Zu meiner Überraschung ging das vertrocknete Gras der Wiese bis zu meinem Bauchnabel und bot exzellente Deckung. Wir arbeiteten uns gebückt zum Turm vor und erreichten ihn sicher. Ich hatte schon von anderen Trainhoppern von dem Spot gehört, aber nie gedacht, was für ein paradisischer Ort das sein sollte. Neben dem Turm war ein großer Stapel Paletten, der im Inneren schon auseinander gepflückt wurde, sodass sich ein kleines Haus mit Liegefläche für 4-6 Personen ergab, wenn man in den Stapel hinein ging.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gras selbst war ebenfalls eine platt gedrückt Fläche. Ihr kennt das sicher, wie man als Kinder in die Kornfelder marschiert und sich dort sein eigenes Bett auf Kosten des Bauers Ernte gemacht hat. So ungefähr war das auch an diesem Hop-Out. Perfekte Deckung, kein (normaler) Mensch kam je zu diesem Palettenstapel und wir hatten optimale Sicht auf die Gleise und jeden ankommenden Zug. Durch das hohe Gras konnte man sich gut an die Wagons heranschleichen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir warteten auf unseren Zug, legten ein wenig hin. Die Sterne leuchteten über uns. Es war noch kein Mond aufgegangen. Ich rauchte eine Zigarette und Roy schlief ein. Es wurde frisch, aber meine gefundene Lederjacke bot mir mütterliche Wärme. Es war eine wunderschöne Nacht an einem atemberaubenden Ort. Auch ich schlief irgendwann ein. „Stefan!“, riss mich Roy aus meinen Träumen. Ein Zug lief ein. Der kurze IM*, den ich schon die Nacht vorher gesehen hatte. Definitiv ein Hot-Shot, aber den wollte ich eigentlich nicht hoppen. Roy meinte aber: „Das geht schon.“ Schnell wurden die Sachen zusammengepackt und wir waren wieder im Ninja mode. „Keep yourself low!“, meinte ich noch zu Roy.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir checkten ein paar Wagons, fanden zwei die wir besteigen konnten. Leider nicht gemeinsam. Es war nicht viel Platz. Ich quetschte mich unter eine Trittbank. Nun war warten angesagt. Der Zug rollte los. Nach 50m blieb er wieder stehen. Weiter warten. Irgendwann hörte ich die Airbreak. Sollte bald wieder losgehen. Auf einmal kam Roy angerannt: „Stefan, i think we shouldn´t do this! I checked the number and those containers are getting grounded in 5 hours!“ Was? Keine Zeit zu reden, gib mir ne klare Ansage. Der Zug kann jede Sekunde losrollen! Roy hatte Tracey angerufen, die freundliche Computerstimme, die zu jedem Wagon und Container das zugehörige Ziel kennt. Auch ein nettes Gimmick für professionelle Trainhopper.</p>
<p style="text-align: justify;">Als wir zurück zum Hop-Out liefen hing Roy immernoch in der Leitung und checkte einen anderen Wagon über Tracey. „This one is going to Southern California! Let´s go back!“ Also wieder zurück auf den Wagon. Ich wurde nervös. Wieder verstecken, wieder warten. Und es passierte erstmal nichts. Nach ca. 60 Minuten fuhren mehrere Autos entlang des Zuges. Die Bahnarbeiter entkoppelten die End-Unit. Höchst ungewöhnlich. Was war hier los? Ich beobachtete das geschehen und blieb an meinem Platz. Normalerweise sollte der Crew-Change von solchen IM´s nie länger als 30 Minuten dauern. Wenn überhaupt. Und nun wurde noch die End-Unit abgekoppelt. Irgendwas stimme nicht. Mir blieb nichts anderes übrig als unten zu bleiben, nicht gesehen zu werden. Falls etwas ist, würde mir Roy schon Bescheid sagen. Wir sollten insgesamt mehr als 3 Stunden auf diesem Zug warten, bis er endlich los rollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Was ich erst am nächsten Tag erfahren sollte. Roy wurde nervös. Sehr nervös. Er hatte seinen Wagon verlassen und ist zum Kopf des Zuges gelaufen, um die Front-Units zu checken. Als er fast da war, hörte er die Air-Break. Ein sicheres Zeichen, dass der Zug gleich losfährt, was aber etwas suboptimal ist, wenn dein Rucksack am anderen Ende des Zuges liegt. Er sprintete zurück so schnell es ging. Züge sind lang, manchmal weit mehr als 1 km. Irgendwann auf seinem Run tauchte der Bull auch noch hinter ihm auf und fuhr mit seinem Auto den Zug ab. Roy musste sich verstecken. Mega Aktion, nur um die Units zu checken, weil er Tracey nicht vertraut hat. Er hat es aber noch rechtzeitig geschafft. Und gegen 4:30 in der früh fuhren wir endlich los.</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">Unsere Route führte direkt durch die Salzwüste bei Salt Lake City. An der Stadtgrenze roch es noch derbst nach fauligen Eiern, aber bald schossen wir hinein in die absolute Dunkelheit und mitten durch den Salzsee. Die Strecke war einmalig. Nur mit dem Güterzug zu fahren. Keine Straße, kein Personenzug, nur ein Gleis, dass mitten über einen Damm führte, der das Meer zweiteilt. Links und Rechts von uns nur Wasser oder ausgetrocknete Salzfläche. Über uns ein enormer Sternenhimmel der durch die Hochebene besonders hell leuchtete und der Mond ging auf. Es war zwei Tage vor Neumond. Der Mond hatte die Form einer Sichel. Man konnte jedoch den Umriss des gesamten Trabanten erkennen. Der Mond erhob sich hinter den Rockies und versüßte mir meine sowieso schon atemberaubende Rundumsicht auf meinem „double stack“. Insgesamt war die Szenerie schon wieder absolut traumhaft. Zugromatnik at its best.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich hatte den ganzen Abend nichts gegessen, weil ich auf diesen Moment gewartet hab. Nun konnte ich endlich meine Provianttüte öffnen. Es gab eine Dose Thunfisch, trockenes Brot, einen Apfel und Chocolate-Cheescake Cookies. Dazu Zigaretten und Wasser. Warmer Wind wehte mir um den Kopf. Wir überholten einen wartenden Zug. Ha! Wir sind der Priority Train ihr Muschis! Ich streifte meine Lederjacke über, legte mich in meinen Schlafsack und schlief ein.</p>
<figure id="attachment_1218" aria-describedby="caption-attachment-1218" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train.jpg" rel="lightbox[1214]"><img class="size-full wp-image-1218" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train.jpg" alt="On the train." width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/On-the-train-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1218" class="wp-caption-text">On the train.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Der Zug schüttelt einen ordentlich durch und es wurde recht kalt. Meine Jacke tat guten Dienst, was man von meinem Schlafsack nicht gerade behaupten konnte. Sonnenaufgang. Wir rollten schon die ganze Nacht. Die ersten warmen Strahlen erreichten mich und ich versuchte meine vereisten Füße zu reanimieren. Irgendwann war der zweite Crew Change. Gegen Vormittag. Und dann rollten wir durch die Wüste. Der „double stack“ hatte zwar gute Sicht, aber dafür keinen Sonnenschutz. Und so saß ich in der prallen Sonne und konnte nichts tun. Den ganzen Tag. Meine Gallone Wasser wurde warm, das war etwas ecklig. Aber auch meine Dose Ravioli wurde warm. Was wiederum Vorteile hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Dose Fisch, zwei Birnen und ein paar Cookies später, rollten wir nach sagenhaften 16 Stunden in unseren Zielort herein. Normalerweise sollte der Ritt bis zu 36 Stunden dauern, aber wir hatten wirklich einen sehr schnellen IM erwischt. Letzte Prüfung, vom zug runter kommen. Ich wurde mehrfach gewarnt vor unserem Zielort. Viele zwielichtige Gestalten, die dort rumlaufen und die Bulls sollen besonders scharf sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Dazu kam dann noch Officer Watson, der lokale Sheriff, immer den Block Griffbereit um dir für eine sinnlose Lapaille ein Ticket auszustellen. Für mich war die ganze Trainhopping Geschichte sowieso schon ein Spiel mit dem Feuer. Ich brauchte ein neues US Visa und wenn ich irgendwo auch nur ein Ordnungsgeld aufgedrückt bekomme, dann war es das mit meiner Alaska Expedition. Aber für die Trainhopping Erfahrung ist es mir das absolut wert. No guts, no glory.</p>
<figure id="attachment_1217" aria-describedby="caption-attachment-1217" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping.jpg" rel="lightbox[1214]"><img class="size-full wp-image-1217" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping.jpg" alt="Happy Hopping!" width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Happy-Hopping-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1217" class="wp-caption-text">Happy Hopping!</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Wir rollten auf unseren Zielort. 50Km vorher, mitten im Nirgendwo ein Bahnübergang. Ich sitze nichts ahnend in meinem Wagon und schaue in die Landschaft. Auf einmal steht da ein Opa mit einer dicken Kamera. Er erblickt mich, das konnte ich an seinem Zucken erkennen. Und er schießt ein schönes Foto von mir. Ihr könnt euch vorstellen, wie mir die Muffe für die letzten paar Km ging. Ob der jetzt die Polizei ruft? Ob die uns direkt am Bahnhof abfangen? Anspannung. Der Zug rollte in die Yards. Die Bremsen brachten dieses riesige Stahlmonster zum stehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es dauerte keine 15 Sekunden. Ich war bereit, hatte alles gepackt. Roy sprang von seinem Wagon und auch ich tat dies. „Nichts wie raus hier.“ Zwei schwarz gekleidete Trainkids. Völligst verdreckt sprinteten wir im Dämmerlicht über die Gleise. Straße erreicht. Sicherheit. Keiner hat uns gesehen. Mission abgeschlossen. Erstmal was kühles trinken gehen. Roy war die letzten vier Stunden ohne Wasser gewesen. Und ohne Schatten. Wir waren beide ziemlich fertig, aber sehr glücklich. 16 Stunden auf einem Güterzug. Das ist wie 16 Stunden in der Babywiege auf einer Waschmaschine abgestellt werden, während ein Erdbeben 7ten Grades unter deinem Haus wütet. Also mega, geile Erfahrung!</p>
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		<title>Trainhopping &#8211; Catchin out tonite!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2015 22:37:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Trainhopping]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Operation Nachtzug. Catching out to California. Diesmal war ich besser ausgerüstet. Neben der Schachtel Zigaretten und einer Gallone Wasser hatte ich drei Deluxe-Bagel, einen...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Operation Nachtzug. Catching out to California. Diesmal war ich besser ausgerüstet. Neben der Schachtel Zigaretten und einer Gallone Wasser hatte ich drei Deluxe-Bagel, einen Apfel und zwei Bananen dabei. Außerdem ein großes Stück Pappkarton („5000 miles paper“) und den Crew Change Guide. Mein zweiter Trainhop sollte anstehen. Ich folgte der Beschreibung im Guide, schlich mich auf das Union Pacific Gelände und fand mich alsbald im Hobo-Jungle wieder. Ein Gebüsch nahe den Tracks und Müll.<span id="more-1205"></span> Wie ich später herausfinden sollte, lebten in dem Gebüsch mindestens zwei Menschen in Zelten. Alles war verseucht mit Mücken, selbst im trockenen Utah. Ich machte es mir zwischen dem Müll gemütlich und wartete auf meinen Zug. Fühlte mich sicher in meinem Versteck.</p>
<figure id="attachment_1207" aria-describedby="caption-attachment-1207" style="width: 521px" class="wp-caption alignright"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out.jpg" rel="lightbox[1205]"><img class="size-full wp-image-1207" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out.jpg" alt="Hop out spot. Be safe hide well." width="521" height="780" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out.jpg 521w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out-200x299.jpg 200w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out-150x225.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/Hop-out-400x599.jpg 400w" sizes="(max-width: 521px) 100vw, 521px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1207" class="wp-caption-text">Hop out spot. Be safe hide well.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Als ich da so im Busch liege, fährt dieser orangefarbene Pick-Up zweimal an mir vorbei. Beim Dritten mal zieht er vor meinem Gebüsch links rüber und ein Mann steigt aus. Starrt mich an. Nicht sicher ob er mich wirklich gesehen hat. Aber er starrte sehr lange in meine Richtung. Das war er also, der Bull (Railway Police, keine richtigen Polizisten, eher Sicherheitskräfte). Schon viel habe ich über den Bull gehört, über seine Faulheit, seine fehlende Bildung, seinen Übereifer, wenn er mal einen Trainhopper findet und wie man ihn am Besten vermeidet. In diesem Fall blieb ich wie festgefroren liegen. Auch er schien sich nicht zu bewegen. Minuten vergingen. Irgendwann steigt er wieder in sein Auto und fährt davon.</p>
<p style="text-align: justify;">Scheiße, der Bull hat mich entdeckt. Vielleicht&#8230;aber niemand kann mich belangen, weil ich im Gebüsch rumliege. Es wird ungleich schwieriger auf einen Zug zu kommen, wenn Leute im Yard bescheid wissen. Ich zog mich tiefer in den Müll zurück, fand eine kleine Wiese. Machte es mir dort abermals gemütlich und tötete Mücken, die mich unablässig belagerten. Stundenlang. Warten auf den Zug. Ich fand lustige Hobo-Grafittis um mich herum: „Ain´t no wrong train.“ oder „And you think you gonna catch out tonite?“. Ja das denke ich. Ich war also am richtigen Platz.</p>
<p style="text-align: justify;">Es dauerte einige Zeit, da kam der erste Zug, aber der Bull war zur gleichen Zeit auf der Piste, fuhr mit seinem orangefarbenen Pick-Up auf und ab. Der Zug hielt auch nicht an. Keine Chance den Zug „on the run“ (wenn man auf einen sich bewegenden Zug aufspringt) zu catchen. Ich breitete also meinen wunderbaren Pappkarton aus und versuchten neben den Mückenschwärmen ein bißchen zu schlafen. Außerdem war ich ziemlich begeistert von dem Pappkarton. Er hielt wirklich warm von unten, war super praktisch, umsonst und ich hatte schon Gedankenspiele, meine Isomatte gegen guten Pappkarton einzutauschen. Den Pappkarton kann man dreckig machen und irgendwie hat das Stil. Landstreicher-Style.</p>
<figure id="attachment_1208" aria-describedby="caption-attachment-1208" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp.jpg" rel="lightbox[1205]"><img class="size-full wp-image-1208" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp.jpg" alt="Sleeping on the street." width="780" height="521" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp-300x200.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp-150x100.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp-400x267.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/12/My-Hobo-Camp-200x134.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1208" class="wp-caption-text">Sleeping on the street.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Die Nacht brach an. Ich traute mich irgendwann aus dem Gebüsch heraus und schlich am Yard entlang. Völligst schwarz gekleidet, noch angeschlagen von einer 40 km Wanderung zwei Tage zuvor humpelte ich umher und versuchte den Crew Change Punkt zu finden. Wo hält der Zug? Ich war erfolglos und legte mich anschließend wahllos in irgendeinen Gebüschabhang. Hatte ja meinen Pappkarton, der machte mir überall ein neues zu Hause. Es kann so einfach sein, das Leben. Die Nacht war trotzdem schrecklich. Es kamen ca. vier verschiedene Züge. Einmal Junk (regionaler Low-Prior Zug), ein kurzer IM (<a href="https://hoboshoestring.wordpress.com/2010/07/21/rail-cars-that-hoboes-ride/">Intermodal Trains mit double stack wagons</a>) und zwei normale Peddlars. Nichts hielt an. Nichts zum aufspringen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Warme Träume</h2>
<p style="text-align: justify;">Es war wieder saukalt, mein Schlafsack versuchte mich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu wärmen. Ich hatte mehrere Träume in dieser Nacht. Alle liefen nach demselben Konzept ab. Ich durchlebte irgendein Szenario und weil mir so kalt und ich so müde war, versuchte ich einen warmen Schlafplatz zu finden. Und ich fand eine gemütliche Couch, oder warme Abstellkammerräume und dergleichen. Mindestens drei dieser Träume später ging die Sonne langsam auf. Kein Trän diese Nacht. Was eine Enttäuschung. Und pünktlich um neun Uhr morgens fuhr der Bull wieder mit seinem orangenen Pick-Up hin und her. Ich wollte gerade aus meinem Gebüsch raus, da sah ich ihn wieder angefahren kommen. Alarm! Schnell wieder in Deckung.</p>
<p style="text-align: justify;">An Aufgeben war nicht zu denken. Aber ein neuer Plan wurde erforderlich. Ich musste irgendwie einen Zug abfangen. Also erstmal zu WalMart Vorräte neu aufstocken. Außerdem hatte ich mir noch Oropax gekauft. Meine Ausrüstung optimierte sich immer weiter. Im Internet hab ich dann herausgefunden, dass ich an der falschen Stelle gewartet hatte und der eigentliche Crew Change weiter südlich im Yard war. Generell galt hier: „Catwalk.“ Wie wörtlich das gemeint war, sollte ich später selbst herausfinden. Der Hop-Out war  anscheinend ziemlich freiliegend. Ziemlich schwierige Mission, die da vor mir lag. Besser nur bei Nacht nutzen. Also wieder warten. Ich wanderte Richtung Yards, suchte mir ein schattiges Plätzchen, faltete meinen Pappkarton aus und machte erstmal ein Nickerchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieses sinnlose warten. Herrlich. Hätte ich beim Trampen nie, da bin ich immer bereit und konzentriert. Ich lag vor diesem Haus, irgendein Mann sagte ich solle aufpassen, weil ich in den Knast komme, wenn die Polizei mich hier schlafen sieht. Amerika und Obdachlos. Ich lag vor dem einzigen Haus in dieser Straße nahe den Yards. Leute hielten wahllos an und luden Müll ab. Bildschirme, Pappkartons. Erst als ein paar Atzen erschienen und diese Kartons durchwühlten und alles von Wert mitnahmen, erkannte ich, dass hier eine Kleiderspende war. Richtig gut vorbereitet für eine kalte Nacht auf dem Zug war ich nicht. Ich fand eine nette Lederjacke für mich.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Crazy people</h2>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann kam ein Mexikaner angetrudelt, geschätzt Mitte vierzig, mit einem kleinen Rucksack und einem Schlafsack in der Hand. Fragte mich, wie man am besten nach Chicago kommt. Er wollte auch einen Zug abfangen in der Nacht, ist aber seit 10 Jahren nicht mehr gehoppt. Hat mir eine Cola gekauft und ein paar Socken geschenkt. Im Gegenzug hab ich ihm ein Feuerzeug gegeben. Man hilft sich auf der Straße. Sharing is caring!</p>
<p style="text-align: justify;">Und wo ich den ganzen Tag geschlafen und gesessen hatte, entwickelte sich nun eine kleine Gemeinschaft. Ein anderer Kerl, braun gebrannt, alles voller Tattoos, mit einem Kopftuch und einer Art Gepäck (eine Tabletverpackung und eine Wasserflasche zusammen gebunden zu einem Bündel) erreichte unsere kleine Gruppe. Er brabbelte sofort los, als ob wir uns schon jahrelang kennen würden. „Ich war nun zwei Jahre nicht in der Stadt, bin gerade wiedergekommen und die Cops sind schon wieder hinter mir her.“ Die COOOPS!! Drei Autos anscheinend, den ganzen Tag folgen sie ihm schon. Nur jetzt nicht. Waren anscheinend wohl gerade Kaffee trinken. Klarer Fall von Paranoia oder doch Polizeistaat? Ich gab ihm ein paar Zigaretten.</p>
<p style="text-align: justify;">In den nahe gelegenen Yards sah ich einen schwarz gekleideten Menschen mit Rucksack. Durch den Verbrecherlook war er eindeutig als Trainhopper zu identifizieren. Kurzer Schnack. „Are ou catching out?“, fragte er mich. „Yes, where are you going?“ „California.“. Meine Richtung. Sein Name war Roy. Wir taten uns zusammen. Roy war bestens vorbereitet. Einer seiner Kumpels kannte wohl den Autor vom Crew Change Guide persönlich, was ziemlich mächtig ist und weshalb er auch die allerneueste Version hatte. 2015. Die heilige Schriftrolle. Wir machten es uns nahe der Eingangszone zu den Yards gemütlich und warteten auf die Dunkelheit. Eine in jeglicher Hinsicht großartige Nacht sollte anstehen&#8230;&#8230;</p>
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		<title>Train hopping &#8211; Wahre Liebe!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Nov 2015 14:15:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Trainhopping]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[güterzug mitfahren]]></category>
		<category><![CDATA[hopping]]></category>
		<category><![CDATA[train]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Train hopping stand an. Illegal auf Güterzügen mitfahren. Nur eine weitere Fortbewegungstechnik, die ich mir erarbeiten wollte. Ein weiterer „Sport“. Ich hatte vorher einen...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Train hopping stand an. Illegal auf Güterzügen mitfahren. Nur eine weitere Fortbewegungstechnik, die ich mir erarbeiten wollte. Ein weiterer „Sport“. Ich hatte vorher einen technischen 300 Seiten Guide zum Thema Train hopping gelesen und fühlte mich gut vorbereitet, als ich auf die Yards zulief. Schon Tags zuvor in Denver konnte ich überall in der Stadt Güterzüge pfeifen hören. Ein wunderbares Geräusch zur Einstimmung auf ein neues Hobby.</p>
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<p style="text-align: justify;">Train hopping ist gefährlich. Im Gegensatz zum Trampen kann hier ein falscher Schritt den Tod bedeuten. Oder „nur“ den Verlust von diversen Gliedmaßen. Züge sind eines der wenigen Objekte, bei denen es schwerer ist sie anzuhalten, als sie zu bewegen. Wie brutal und monströs diese Dinger sind, konnte ich vorher nur erahnen. Ihr kennt das sicherlich, wenn man am Gleisübergang wartet und dann dieser träge Stahlkolloss an einem vorbeizieht. Der Boden vibriert. Rythmische Schläge untermahlen die Bewegung. Ehrfurcht kommt auf.<span id="more-1185"></span></p>
<h2 style="text-align: justify;">Getting on the train</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich hatte einen typisch amerikanischen Donut Shop gefunden und frühstückte dort billig und ungesund. Als ich den Shop verließ, lief dieser Hobo* gerade über die Straße. Unsere Blicke trafen sich. „Hey man, wie läufts? Weißt du irgendwas über die Yards hier?“. Ich hatte ja keine Ahnung. War ein Greenhorn. Noch nie auf einen Zug gehoppt und auch noch nie was von einem „Hop-Out-Spot“ gehört. Ich hab diesen Train hopping Guide gelesen und wusste nun sehr viel über Güterzuge, amerikanische Eisenbahngeschichte, technische Details zur Airbreak**, Zusammensetzung von Yards, aber vom Train hopping ansich hatte ich keine Ahnung. Trainhopping lernt man nicht in Büchern. Man muss raus und es machen!</p>
<p style="text-align: justify;">Mein neuer Hobofreund hieß Jessie. Er war seit zwei Jahre auf den Schienen unterwegs und gerade dabei seine Reise zu beenden und den letzten Zug nach Hause zu hoppen. „I am ready to deal with my family now.“, sagte er und es berührte mich etwas, dass ich diesen Moment mit ihm teilen konnte. Wir unterhielten uns über die Yards, über Train hopping und ich hörte gespannt zu. Er erzählte Geschichte von einigen Hardcore Trainhoppern, die Haken an ihren Körpern befestigt haben und Züge „on the run“*** hoppen. „To fly out with the train!“, meinte Jessie. Eine abgefahrene Vorstellung.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir schlenderten durch die Stadt. Ich kaufte uns beiden eine Gallone Wasser (3,78L). Jessie hatte kein Geld und musste erst Straßenmusik machen, um sich Wasser kaufen zu können. Ich gab es ihm gerne aus. Er war ein dufter Typ, meinte irgendwann: „I make sure, we get you on a good car.“ Da hab ich mich echt umsorgt gefühlt. Ich war echt dankbar ihn getroffen zu haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Train hopping ist ein Lifestyle. Teil der amerikanischen Kultur mit einer langen Geschichte. Die Train hopping Community in den USA ist eine sehr geschlossene Gemeinschaft. Es ist illegal, man muss aufpassen. Es sind viele, dumme Kids auf den Schienen unterwegs, die allerlei Scheiße bauen und ein Teil der Trainhopper fühlt sich davon angegriffen. Es soll kein schlechter Eindruck entstehen. Und die Sicherheitsmaßnahmen der Zuggesellschaften sollen nicht noch weiter ausgebaut werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Viele Infos zu diesem Sport sind daher nicht öffentlich zugänglich. Es gibt den Crew Change Guide, eine Art Train hopping-Bibel, mit detaillierten Tips, wo welcher Zug hält und auf was man in diesem Yard achten muss. So einen CCG zu bekommen ist schwierig. Ich hab einige Zeit gebraucht, bis ich einen CCG 2006 bekam. Völlig veraltet. Eigentlich nutzlos, aber besser als nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">Umso glücklicher war ich Jessie getroffen zu haben. Er zeigte mir den Hop-Out. Eine Brücke. Ziemlich viel Verkehr darunter. Einige Autos der Military Police überquerten die nahe gelegene Kreuzung. Es dauerte ca. 15 Minuten, da rollte ein Zug in meine Richtung ein. Und stoppte. Ich war schon wieder vollgepumpt mit Adrenalin und fragte Jessie, ob der Zug in meine Richtung fuhr. Er meinte es sei nur eine Lok. Schade. Ich checkte trotzdem das Gleis. Da war definitiv ein langer Güterzug auf den Gleisen. Und in meine Richtung. Also, auf geht’s!</p>
<p style="text-align: justify;">Wir liesen ein weiteres Auto der Militärpolizei passieren und kletterten die Brücke empor. Mitten am hellichten Tag an einer viel befahrenen Straße. Hat sich komisch angefühlt, aber ich dachte „Okay, wird wohl so gemacht.“ Wir kletterten über den Ersten stehenden Zug und konnten dann im Schutz der Wagons zwischen den beiden Stahlkolossen hin und her laufen und nach einem guten „Car“ Ausschau halten.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir fanden einen Grainer****. Jessie sagte, ich kann diesen hoppen. Ich kletterte auf, wir sagten Goodbye, danach war verstecken angesagt. Keep yourself low. Nicht gesehen werden! Ich lag auf kaltem, dreckigem Stahl, mein Herz schlug aufgeregt. Die Air-Break zischte, der Zug sollte gleich losfahren. Langsam setzten sich die Wagons in Bewegung und ich war auf meinen ersten Güterzug aufgesprungen. Was für ein Gefühl. Geschafft! Freude und Euphorie. Highball, die Fahrt geht los!</p>
<figure id="attachment_1187" aria-describedby="caption-attachment-1187" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop.jpg" rel="lightbox[1185]"><img class="size-full wp-image-1187" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop.jpg" alt="Zufrieden bei meinem ersten Ride." width="780" height="439" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop-300x169.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop-150x84.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop-400x225.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Mein-erster-Trainhop-200x113.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1187" class="wp-caption-text">Zufrieden bei meinem ersten Ride.</figcaption></figure>
<h2 style="text-align: justify;">Gefangen auf dem Stahlmonster</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn ein Zug rollt, dann rollt er. Und wenn ein Zug rollt, dann wird es laut. Stahl Kupplungen, die mit immenser Kraft die Wagons über die Gleise reißen. Das monotone Geräusch der Räder, die über die Schienen preschen. Staub und Dreck überall. Und vor mir ein hundert Tonnen Container, der sich immer wieder bedrohlich auf meinen Wagon zu bewegt, mit einem heftigen Schlag in die Kupplung gedrückt wird, um bei der nächsten Beschleunigung wieder in die entgegengesetzte Richtung gezogen zu werden. Als wir rollten, erkannte ich, dass ich nun gefangen war. Hier gab es keinen Ausstieg. Alles rumpelte und ich hörte Stahl an jeder Ecke aufeinander schlagen. So ein Güterzug kann Angst machen. Besonders, wenn man mitten drin sitzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Strecke führte aus der Stadt mitten in den wilden Westen Amerikas. In die unbewohnten Steppen, durch trockene Landschaften die nichts beinhalteten, außer den Gleisen, die uns den Weg vorgaben. Zwischendrin immer wieder anhalten, Züge durchlassen, losfahren, krachende Kupplungen. Ich war auf einem sogenannten Peddlar, ein Low-Priority-Train. Wir fuhren sehr langsam. In den ersten 17 Stunden legten wir ca. 200 Meilen zurück. Ich wusste, dass Züge nicht schnell waren, aber so langsam?</p>
<p style="text-align: justify;">Ich hatte damit gerechnet, dass die Fahrt 8-10 Stunden dauert. Dass ich letztendlich 21 Stunden auf meinem ersten Zug sitzen würde, war nicht eingeplant. Mal wieder hatte ich kein Essen dabei. Mal wieder zu faul zum einkaufen gewesen. Eine Gallone Wasser und ein Päckchen Zigaretten, das war alles. Meine Vorbereitung war schlecht und naiv. Aber solange mein Lift in die richtige Richtung rollt, steig ich nicht aus. Niemals gebe ich einen Lift auf!</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann wurde es dunkel. Der Zug stoppte vor der alles entscheidenden Kreuzung. Würde er nun weiter nach Westen fahren, dann trägt er mich direkt zu meinem Zielort. Oder rollt er nach Norden, wo ich eigentlich nicht hin möchte. Wir standen bereits seit 30 Minuten und ließen einen Zug nach dem Anderen durch. Ich nutzte die Mondscheinnacht und machte ein paar Fotos. Immer wieder wurde ich leicht Paranoid. Hatte jemand das rote Fokus-Licht meiner Kamera gesehen? Oder vielleicht mich? Ist die Polizei auf dem Weg um den Zug zu durchsuchen? Es sollte noch schlimmer kommen.</p>
<figure id="attachment_1188" aria-describedby="caption-attachment-1188" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht.jpg" rel="lightbox[1185]"><img class="size-full wp-image-1188" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht.jpg" alt="Nachtpanorama aus dem stehenden Zug. Der Mond schien helle auf die Prärie" width="780" height="439" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht-300x169.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht-150x84.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht-400x225.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Zug-bei-Nacht-200x113.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1188" class="wp-caption-text">Nachtpanorama aus dem stehenden Zug. Der Mond schien helle auf die Prärie.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Ich tapste durch meine Wagon. Am Boden waren diese Stahlstangen. Verbunden mit der Bremse. Einmal stolperte ich über diese Stange. Das konnte nicht gut gewesen sein für die Mechanik. Ob ich nun etwas kaputt gemacht hatte? Ich saß direkt neben dem Presslufttank der Air-Break. Plötzlich ein lautes, ohrenbetäubendes Zischen. Die Air-Break enlud sich. Acht Bar zischen in die Freiheit, direkt neben meinem Ohr. Tinitus, Stress, irgendetwas war kaputt. Ich wurde panisch. Starrte zur Lok. Kam da jemand um meinen Wagon um die Bremse zu reparieren? Ich sah ein Licht. Sollte ich nun entdeckt werden? Ich war so unsicher und aufgeregt. Nach wenigen Minuten pumpte die Bremse neuen Druck in den Tank. Dann rollten wir los. Alles gut Stefan.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ain´t no wrong train</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Zug überquerte die Kreuzung und steuerte Richtung Norden. Scheiße. Falsche Richtung. Ich muss hier raus. Aber mein so träger und langsamer Peddlar entschloß sich zu einem Hot-Shot***** zu mutieren. Er sollte die nächsten 5 Stunden nicht mehr anhalten. Wir rollten durch die Rocky Mountains. Es wurde sehr kalt. Kalte Luft wehte manchmal von der Seite auf mich. Mein Sommerschlafsack versagte mal wieder und ich zitterte. Wasser und Zigaretten, mehr hatte ich nicht. Ich war müde, durchgefroren, hungrig und fuhr in die falsche Richtung! Frust! Auch das ist Trainhopping: Anstrengend und erbarmungslos. Ich konnte nicht raus. Leidenszeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Während ich auf meinem Rucksack saß und irgendwie versuchte mich wach zu halten, sah ich die Berge an mir vorbeiziehen. Die Landschaft war leer und die weiten Ebenen wurden vom Mondschein erhellt. Irgendwo legte sich in mir ein Schalter um. Ich Begriff meine Situation jetzt erst so richtig! Was mir vorher verborgen blieb, kam nun voll in mein Bewusstsein. Wie wunderschön ist das hier! Dieses laute, brutale Stahlmonster. Ich mittendrin. Draußen gleissender Mondschein und an mir ziehen die Rocky Mountains vorbei. Keine Häuser waren zu sehen. Keine Straßen. Ein Panorama, dass man nur auf einem Güterzug erleben kann. Verdammt, wieso friere ich eigentlich?</p>
<p style="text-align: justify;">Euphorie, Glück und Wahnsinn kamen mal wieder aus ihren Betten gekrochen, setzten sich gemeinsam an einen Tisch, entsagten dem Selbstmitleid und ich fing an diese Fahrt in vollen Zügen zu geniessen (haha, dieses Wortspiel). Es war atemberaubend. Serotonin strömte durch meinen Körper. Es war schon einige Zeit her, dass ich „diesen“ Kick beim trampen erlebt hatte. Trainhopping: Meine neue Liebe. Das war Hobo Romantik. Mein Zug wurde zu Gott. Ich ordnete mich bedingungslos unter.</p>
<p style="text-align: justify;">Es war gegen 5 Uhr am morgen, als mein Zug endlich anhielt und mir Gelegenheit zu einer Flucht gab. Ich schaute mich um. Da war tatsächlich eine kleine Siedlung. Zivilisation. Zeit um aus zu steigen. Der Himmel dämmerte bereits. Ich war in Idaho. Ein wenig zu weit nördlich. Aber erstmal runter vom Zug. Meine Ohren waren taub vom Lärm. Als mein Zug sich in Bewegung setzte, schaute ich mir die vorbeifahrenden Wagons nochmal an. Ich hatte keine Eile nach dieser Nacht. Hinter dem Zug wartete ein Auto am Gleisübergang. Ich hielt meinen Daumen raus. Der Fahrer hielt direkt an und nahm mich mit. Ich konnte meine Begeisterung nicht zurück halten und erzählte ihm, dass ich gerade auf diesem Zug mitgefahren bin. Er verstand mich, wir hatten eine gute Unterhaltung.. Er ist selbst Güterzüge gehoppt, als er jung war.</p>
<figure id="attachment_1189" aria-describedby="caption-attachment-1189" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen.jpg" rel="lightbox[1185]"><img class="size-full wp-image-1189" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen.jpg" alt="Idaho am Morgen. Wolkenzauber." width="780" height="439" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen-300x169.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen-150x84.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen-400x225.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2015/11/Idaho-am-morgen-200x113.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1189" class="wp-caption-text">Idaho am Morgen. Wolkenzauber.</figcaption></figure>
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</script></p>
<pre style="text-align: justify;">*Hobo kommt von „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hobo">Homeless Bohemian</a>“ und ist eine generelle Bezeichung für all die af Güterzügen umherreisenden Nomaden.</pre>
<pre style="text-align: justify;">**Bremssystem der Züge. Die Airbreak kann euch viel über den Zug verraten, wann er losfährt, ob und wielange er hält. Etc.</pre>
<pre style="text-align: justify;">***“on the run“ bedeutet, wenn der Zug in Bewegung ist und man währenddessen auf und abspringt. Nicht zu empfehlen übrigens. Idealerweise hoppt man Nachts und nur auf stehende Züge.</pre>
<pre style="text-align: justify;">****Grainer ist ein Car, welches standartmäßig für Getreide und andere trockene Feststoffe genutzt wird. Man kann nicht alle hoppen, manche haben keinen Sichtschutz oder andere keinen Boden (oder beides).</pre>
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