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	<title>Deutschland &#8211; Warm Roads</title>
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		<title>Traffic Exists. Hitchhiking Possible; (15) Der kanadische Arzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Sep 2019 17:52:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Traffic Exists - Hitchhiking Possible]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mittwoch, 18. Juli 2012 um 22:06 auf Facebook: Tired. I worked almost 30 hours in the last 2 days. On the way back home...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Mittwoch, 18. Juli 2012 um 22:06 auf Facebook:</em><br />
<em>Tired. I worked almost 30 hours in the last 2 days. On the way back home is stopped at Michendorf to pick up hitchhikers. Found two in direction south. One of them, Steven, was 57 years old from Canada, first time hitchhiking in his life. They ripped off all his stuff in the night train to Berlin and he was on the way to Frankfurt airport to fly back home to Canada. Without money or anything else, starving, just a backpack with dirty clothes with him. I gave him 200€ and drove Steven to the train station. In Leipzig.</em></p></blockquote>
<p>Damals hatte ich noch einen Dienstwagen und habe illegalerweise Tramper mitgenommen. Das hätte mich meinen Job kosten können, war mir aber egal. Das ich Steven an diesem Tag helfen konnte, hat mich außerordentlich glücklich gemacht. Ich bin sogar extra mit ihm zum Geldautomaten gefahren und habe Geld abgehoben. Anschließend hab ich ihm meine Mailadresse und Telefonnummer gegeben und eine gute Reise gewünscht.</p>
<p>Es ging mir nie ums Geld, aber es hat mich schon etwas gewurmt, als ich nichts von ihm gehört hatte. Es vergingen ein paar Monate, bis ich angefangen habe zu recherchieren. Ich wußte, dass er Handchirurg in einer Unfallklinik in Kanada war. Ich wußte von seiner akademischen Karriere. Dass er in Deutschland ein Auslandssemester gemacht hat und um sein Engagement für eine internationale Konferenz der Handchirurgen, wo er viele Freundschaften zu Chirurgen aus anderen Ländern pflegte. Ich hatte leider nur seinen Vornamen, aber einen Arzt mit einer solchen Spezialisierung sollte doch zu finden sein.</p>
<p>So begann meine Recherche. Ich durchforstete Google nach Bildern und stellte alsbald fest, dass Steven wie ein Durchschnittskanadier aussah und ich sein Gesicht nicht von anderen Ärzten mit dem Namen Steven auseinanderhalten konnte. Ich schrieb verschiedene Kliniken an, die auf die Beschreibung passen könnten. Unfallklinik für komplizierte Handgelenkfrakturen, nahe den großen Skigebieten in den kanadischen Rocky Mountains. Wenige antworteten. Eine Klinik gab mir zwar eine Rückmeldung, sie würden das abklären, schrieb mir aber in der zweiten Mail, dass sie mir leider nicht erlaubt wären, Auskunft zu erteilen. War das der Weg zu Steven? Sollte es da eine Spur geben?</p>
<p>Als ich auf meiner Reise durch Kanada kam, erzählte ich diese Geschichte meinen kanadischen Bekanntschaften, um wenigstens die Klinik eingrenzen zu können. Wir kamen zum Ergebnis, dass nur eine Klinik in Calgary hierfür infrage kommen würde. Ich war bereit dort hin zu fahren und persönlich nachzufragen. Ich wollte einfach nur wissen, wieso er sich nicht gemeldet hatte. Vielleicht, weil er den kleinen Zettel mit meinen Kontaktdaten verloren hat? Mir war es ein Bedürfnis, das auf zu klären.</p>
<p>Zur Klinik bin ich letztendlich nie gefahren. Die Geschichte sollte ungelöst im Sande verlaufen. Bis zum Sommer 2017.</p>
<p>Mein Kumpel Alex und ich waren gerade auf einem Vortreffen zum European Hitchgathering in der Altmark. Wir wollten zurück nach Leipzig. Es war gegen Mittag, als wir an einer Tankstelle einen Lift Richtung Magdeburg bekamen. Alex hatte seine Standartfrage, die er den FahrerInnen oft stellte: „Haben sie schon mal jemanden mitgenommen?“ Unser Fahrer meinte: „Ja, aber ich hab da schlechte Erfahrungen.“ Schlechte Erfahrungen? Sowas interessiert mich immer. Wir kamen also ins Gespräch und er erzählte: „Ich wurde da mal übers Ohr gehauen.“ „Wie denn?“ „Ich hab da mal einen mitgenommen und ihm Geld gegeben.“ Meine Ohren waren gespitzt. „Von wo nach wo mitgenommen?“ „Von Hamburg nach Berlin.“ „Was war das für ein Typ?“ „Irgendsoein kanadischer Arzt. Ich hab sogar seinen Namen. Der wurde ausgeraubt und stieg bei mir ins Auto. Sehr netter, höflicher Mensch. Der hat mir seine ganze Lebensgeschichte erzählt, mit allen Details zu seinem Haus in den Rocky Mountains, seiner Arbeit und seiner Familie.“ „War das ein Handchirurg?“ „Ja, woher weißt du das?“ In dem Moment drehte sich Alex um und schaute mich erwartungsvoll an: „Kennst du den oder wie?“</p>
<p>In der Tat. Unser Fahrer erzählte uns im folgenden die ganze Geschichte und sie kam mir sehr bekannt vor. Kanadischer Arzt, ausgeraubt, trampt mit ihm, spricht gebrochen deutsch, wirkt aber sehr vertrauensvoll und am Ende hat er ihm 70€ gegeben. Das Geld, was er gerade noch in seinem Geldbeutel hatte. „Das verrückte war ja, er hat nie nach Geld gefragt! Ich hab ihm das von mir aus gegeben.“ Genauso wie ich, dachte ich mir. Nur mit dem Unterschied, dass ich extra noch an den Geldautomaten ran gefahren bin und ihm nochmal extra was drauf gepackt habe. Auch unser Fahrer konnte danach nicht glauben, dass Steven (oder wie auch immer er heißen mag) gelogen hätte. Auch er hat nach ihm im Internet recherchiert. Auch er hat versucht in über verschiedene Wege ausfindig zu machen. Das ganze passierte „vor ungefähr 5- Jahren“. Also zur gleichen Zeit, als ich auch ihn mitgenommen habe.</p>
<p>Es ist eine verrückte Geschichte und ein großer Zufall, dass ich mit einem Menschen getrampt bin, der denselben Typen mitgenommen und auf denselben Typen reingefallen ist, wie ich. Als ich ihn mitnahm, hat er erzählt, dass er im Zug von München nach Berlin ausgeraubt wurde und auf dem Weg nach Frankfurt ist, um dort seinen Flug zu kriegen. Er hatte, laut eigener Aussage, keinen Reisepass und kein Geld mehr, ist noch nie getrampt, sein 80 jähriger Vater ist gerade tausend Kilometer durch Kanada gefahren, um die nötigen Dokumente für ihn zu besorgen, damit er wieder zurück fliegen kann. Das alles war so echt und detailliert erzählt, dass man es glauben musste. Ich dachte mir nur: Der kann kaum Deutsch, ist noch nie getrampt, ein gestandener, zurückhaltender Mann. Das schafft der nie! Ich geb ihm Geld für den Zug und ein Hotelzimmer, dass er sicher wieder nach Hause kommt.</p>
<p>Und ich würde das jederzeit wieder tun. Ich trauere dem Geld nicht hinterher. Das schlimmste war für mich (wie auch für unseren Fahrer aus der Altmark): Ich konnte und wollte nicht glauben, dass ich mich so dermaßen in einem Menschen täuschen würde und der Typ wirklich ein Betrüger war. Obgleich die Anzeichen dafür schon lange existierten. Steven meinte, er hätte sich bei der Bundespolizei in Potsdam gemeldet und wegen dem Raub eine Anzeige gemacht. Er schilderte mir noch im Detail, wie grob ihn die Beamten behandelt hätten. Wir haben daraufhin eine Recherche gemacht und herausgefunden, dass niemals an dem Tag eine Anzeige bei der Bundespolizei einging und dass wohl Betrüger mit dieser Masche unterwegs seien. Aber selbst da konnte ich es nicht glauben. Steven wirkte so authentisch und freundlich. Und er hat nie nach Geld gefragt.</p>
<p>Es gibt immer wieder Geschichten, dass beim Trampen etwas negatives vorgefallen ist. Aber das ist nicht die Regel. Man kann im Leben immer an einen falschen Menschen geraten. Egal, wo man hin geht. Das sollte aber nicht auf Trampen generell bezogen sein. Steven war einer aus tausend. 0,1%. Die anderen 99,9% der Tramper sind durfte Typen. Ich kenn sie fast alle! Die nächsten 999 werden gute Bekanntschaften werden und wenn jemand in Not ist, dann helfe ich auf jedenfall wieder.</p>
<p>Vielleicht hat diese Geschichte auch etwas positives. Sowohl ich als auch unser Fahrer waren recht zufrieden, dass sich das nun aufgeklärt hat. „Da hab ich wenigstens was zu erzählen, wenn ich nach Hause komme. Das werden die mir nie glauben!“, meinte er. Und auch ich hab jetzt Gewissheit. Ich kann das abhaken.</p>
<p>Allerdings kommen nun neue Fragen: Wer warst du, Steven? Und wieso bist du durch Deutschland getrampt und hast dich von ahnungslosen Menschen beschenken lassen? War das Spaß? Brauchtest du wirklich Geld? Oder war das eine alternative Urlaubsform? Was hat dich dazu getrieben? Und woher konntest du so gute Lügengeschichten erzählen?</p>
<p>Vielleicht wird sich auch dies irgendwann aufklären. Und die Geschichte war letztendlich ihr Geld wert. Wahrscheinlich ist das eher nicht. Wenn ihr was wisst, dann teilt es gerne mit mir. Ich bin auf jedenfall neugierig.</p>
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		<title>Trampen in&#8230; (17) Deutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 May 2016 15:30:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Trampen in...]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist eigentlich längst überfällig, dass ich diesen Artikel schreibe. Deutschland ist für mich nicht nur Homebase, sondern auch das am besten zu trampende...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<hr />
<p>Es ist eigentlich längst überfällig, dass ich diesen Artikel schreibe. Deutschland ist für mich nicht nur Homebase, sondern auch das am besten zu trampende Land der Welt! Mein all-time Favorite. Eine der am besten organisiertesten Trampszenen, Straßen ohne Tempolimits, Menschen die Raststätten ansteuern, weil sie nach Trampern „suchen“, Creme de la Creme der Automobilindustrie und ansich gastfreundliche Menschen, sind nur einige Gründe, weshalb ich Deutschland zum Trampen gar nicht hoch genug loben kann. Dies ist ein „Trampen in&#8230;“-Spezial. Ohne Statistiken, dafür aber mit einer Menge guter Gründe, weshalb ihr in Deutschland trampen solltet!<span id="more-1836"></span></p>
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<h2>Menschen</h2>
<p>Der Deutsche ansich&#8230;..ist eigentlich ganz dufte. Eigentlich. Wir sind Kapitalisten der übelsten Sorte und kommen wohl in dem, was Menschen im Ausland über uns denken, noch viel zu gut weg. Ja, wir haben alle einen Stock im Arsch, der Deutsche neigt zu einer gewissen Inflexibilität, wenn es um Regeln und Gesetze geht. Organisation ist ganz wichtig. Das gibt Sicherheit. Wir mögen es genau und müssen immer alles kritisieren/optimieren. Alles was von der Norm abweicht, wird erstmal kritisch beäugt und ggf. reglementiert. Versteht das. Verwirrung mindert die Effizienz.</p>
<p>Neben dem technokratischen Spießertum ist der Deutsche ansich aber auch recht interessiert und aufgeschlossen. Und am Wichtigsten: In Deutschland herrscht relativ wenig Angst. Trampen ist nicht schwierig in Deutschland. Die Leute sind gerne bereit euch einen Lift zu geben. Ich bin durch weit mehr als 50 Länder in meinem Leben getrampt und kann sicher sagen, dass nach Kolumbien, USA, Brasilien und Co. der Deutsche doch recht aufgeschlossen und warmherzig wirkt.</p>
<p>Trampen genießt einen recht guten Ruf in Deutschland, was nicht zuletzt durch jahrelange Bestrebungen diverser Clubs zustande gekommen ist. Es mag hier lobenswert angemerkt sein, dass vom BKA 1989 eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema durchgeführt wurde [Trampen FIEDLER, Joachim, et. al., 1989; <i>Anhalterwesen und Anhaltergefahren: unter besonderer Berücksichtigung des “Kurztrampens</i>”, BKA-Forschungsreihe Sonderband, Bundeskriminalamt Wiesbaden.]. Eine von zwei Untersuchungen die weltweit zu diesem Thema verfasst wurden. Außerdem gibt es noch zwei Koryphäen der Tramperfreundlichkeit. Das ist Dieter Wesch, der selbst ernannte <a href="http://www.autobild.de/artikel/der-engel-der-anhalter-35825.html">„Engel der Anhalter“</a>, welcher mit mehr als 9528 aufgesammelten Trampern sicherlich den Guinness Buch Weltrekord im Mitnehmen hätte, wenn dieser denn existieren würde. Und dann natürlich noch <a href="http://www.zeit.de/1993/11/schlechte-zeiten-fuer-den-grauen-engel/komplettansicht">„Tramperpapst“</a> Dieter Höft aus dem schönen Norden, der seine Pforten immer für Tramper offen hat und sogar zur Auffahrt kommen würde, um euch aufzusammeln und auf ein Bier und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4LMHnwomaOk">kostenlosen Schlafplatz</a> zu sich nach Hause zu holen.</p>
<p>So gute Seelen! Wer kann nun behaupten, die Deutschen wären Tramperunfreundlich?</p>
<h2>Die Szene</h2>
<p>Ich bin leider erst seit ca. 10 Jahren dabei und kann die wirklichen Anfänge nur erahnen. Ich komme wohl aus einer Generation Tramper, die auftauchte, als der Laden schon brummte, aber nicht zu den wirklichen Pionieren zählte. Aber das ist okay. Wichtig ist eines hier: Deutschland hat mit Rußland und Polen die vielleicht am besten organisierteste Trampszene der Welt.</p>
<p><a href="http://abgefahren-ev.de/">Abgefahren e.V.</a>, ein Verein der sich auf die Fahnen geschrieben hat, Trampen wieder salonfähig zu machen und von dem Hippie-Mief zu befreien. Abgefahren hat jahrelang eine gute Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit gemacht und definitiv angefangen mit stetem Tropfen den Stein auszuhöhlen. Abgefahren veranstaltet jedes Jahr zu Pfingsten die Deutsche Meisterschaft im Mittelstreckentrampen. Die ganzen Alttramper haben sich zwar teilweise überall auf der Welt niedergelassen und sind in ihrere Tramperrente. Unser aller liebes <a href="http://hitchwiki.org/">Hitchwiki</a> liegt auf demselben Server wie Abgefahren und hat nicht umsonst die zweitmeisten Artikel auf Deutsch. Das kommt, weil da jahrelang die Alte Garde mitgemischt hat. Danke Jungs! Großartige Arbeit.</p>
<p>Daneben gibt es mit den Jungs von <a href="http://www.tramprennen.org/">Tramprennen.org</a> eines der größten Tramprennen in Europa, welches vom eigens hierfür gegründeten Verein Club of Roam organisiert wird. Jeden Sommer für mehrere Wochen durch Europa knallen, mit einem Haufen anderer Verrückter. Ein Riesenspaß, ich selbst habe leider nie teilgenommen bisher. Was sich da über die Jahre entwickelt hat, ist wohl eines der aktivsten und größten Trampprojekte überhaupt. Getrampt wird für einen guten Zweck, um Viva con Agua und Pro Asyl e.V. zu unterstützen. Sehr einsteigerfreundlich und scheint mir eine wirklich herzliche Community zu sein. Tramprennen.org hat auch ein komplett anderes Einzugsfeld als Abgefahren, was sehr erstaunlich ist, da sich normalerweise jeder irgendwie über zwei Ecken kennt unter den europäischen Trampern.</p>
<figure id="attachment_1842" aria-describedby="caption-attachment-1842" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen.jpg" rel="lightbox[1836]"><img class="size-full wp-image-1842" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen.jpg" alt="Zielfoto von Tramprennen.org eines der größten Tramprennen auf der Welt." width="780" height="511" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen-300x197.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen-768x503.jpg 768w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen-150x98.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen-400x262.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Tramprennen-200x131.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1842" class="wp-caption-text">Zielfoto vom Tramprennen 2015, eines der größten Tramprennen auf der Welt.</figcaption></figure>
<p>Tja und dann gibt es noch uns, die <a href="http://www.sporttrampen.de/">Sporttramper</a>. Streng nach dem Motto: „Die Hells Angels werden ja auch nicht Mitglied im ADAC“, haben wir (Ralf, langjähriger Schatzmeister bei Abgefahren und ich) einen Verein gegründet, der die russische Tradition des Sporttrampens in Deutschland und Westeuropa kultivieren möchte. Bei unseren Wettkämpfen sind die Routen technisch anspruchsvoll und neben dem Trampen geht es auch um Orientierung und Erkundung unbekannter Gebiete. Wir nehmen uns für gewöhnlich eine bestimmte Ecke von Deutschland, wo es besonders schön ist (wie das Frankenland, Odenwald, die Rhön) und gehen dann für 2-3 Tage auf Erkundungstour mit unserem Daumen. Unsere Zielgruppe sind Abenteurer und Outdoormenschen. Wer es eher „gemütlich“ angehen lässt, dem sind unsere Rennen vielleicht zuviel. Ich kann es aber nur empfehlen. Sporttrampen fetzt!</p>
<figure id="attachment_1838" aria-describedby="caption-attachment-1838" style="width: 604px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen.jpg" rel="lightbox[1836]"><img class="size-full wp-image-1838" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen.jpg" alt="Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft im Sporttrampen. Russische Trampe und ein Team der DTSGr bei der Planung ihrer Rennrouten." width="604" height="453" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen.jpg 604w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen-300x225.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen-150x113.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen-400x300.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Rennen-200x150.jpg 200w" sizes="(max-width: 604px) 100vw, 604px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1838" class="wp-caption-text">Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft im Sporttrampen. Russische Tramper und ein Team der DTSG bei der Planung ihrer Rennrouten.</figcaption></figure>
<h2>Straßen</h2>
<p>Die Autobahn. Mal abgesehen davon, dass ich aus rein ästhetischen Gesichtspunkten die amerikanischen Highways für die wohlgeformtesten Straßen dieser Welt halte, gibt es doch nichts besseres als das Deutsche Autobahnnetz, um sich fort zu bewegen. Besonders zum Trampen. Deutschland hat kein allgemeines Tempolimit, sondern eine „Richtgeschwindigkeit“ von 130km/h. Es gibt einige wenige Straßen auf der Welt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zulässige_Höchstgeschwindigkeit">ohne generelles Tempolimit</a>. Die Situation hier ist aber sicherlich speziell, da Straßen auch zum schnell fahren geeignet sein. Das sind sie in Deutschland auf jedenfall. Was hilft es, wenn ihr in Afghanistan, Island oder Buthan unterwegs seid und euch freut auf der Schotterpiste so schnell wie möglich den nächsten Bergpass hochfahren zu dürfen? Mit 250 km/h seinem Ziel entgegen. Das gibt’s nur hier.</p>
<p>Es muss gesagt sein, dass die Autobahn nicht ideal zum Trampen ist. In Rußland, Argentinien oder Kanada kann man sich überall an die Straße stellen. Auf der Autobahn, wie auch auf den Auffahrten, ist der Verkehr oft sehr schnell unterwegs und es kann schwierig bis unmöglich sein, hier einen Lift abzufangen. Die Russen nennen die Autobahn nur: „The Tube“ &#8211; die Röhre. Weil man einmal reinkommt und dann einfach durchgedrückt wird. Und natürlich ist es vollkommen verboten auf der Autobahn zu stehen und den Daumen raus zu halten. Die Polizei braucht für gewöhnlich 5 Minuten zum eintreffen und gibt immer gerne Lifts, die ihr natürlich nicht abschlagen dürft.</p>
<p>Neben der Autobahn gibt es Bundesstraßen die mit einem generellen Tempolimit von 100 km/h manchmal etwas herausfordernd sein können, da der Verkehr doch recht schnell unterwegs ist. Insbesondere auf Abschnitten die gut ausgebaut sind und eher einer Autobahn ähneln. Und es gibt auch noch etwas dazwischen, das nennt sich „Kraftfahrstraße“. Das Problem ist: Hier darf man genauso wenig Trampen, wie auf Autobahnen. Ich hab es immer so gehandhabt: Wenn ich keinen Bock auf laufen habe, trotzdem positionieren, dann auf die Polizei warten, dumm stellen, freundlich sein und einen Lift zu einer Tanke oder ähnliches kriegen. Die Polizei ist immer gut für einen Lift. Seid zu ihnen genauso freundlich, wie zu euren anderen Fahrern.</p>
<figure id="attachment_1840" aria-describedby="caption-attachment-1840" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil.jpeg" rel="lightbox[1836]"><img class="size-full wp-image-1840" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil.jpeg" alt="Abgehen. Tramprennen in Polen!" width="780" height="585" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil.jpeg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil-300x225.jpeg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil-768x576.jpeg 768w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil-150x113.jpeg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil-400x300.jpeg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Trampen-geil-200x150.jpeg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1840" class="wp-caption-text">Abgehen. Tramprennen in Polen! Foto: Jessica Zumpfe</figcaption></figure>
<p>Geile Straßen, geile Autos. Leider geil. BMW, Audi, VW, Porsche und Mercedes machen alle schöne Autos und sitzen in Deutschland. Ja, Opel ist auch dabei, aber sieht halt scheiße aus. Wenn ich in Deutschland unterwegs bin, hab ich eine bevorzugte Zielgruppe beim Trampen: Berufspendler. Weil die einfach die heißesten Karren und immer das neueste Modell haben. Mit 250 km/h seinem Ziel entgegen. Ich hab schon ne Menge abgefahrener High-End Technik von meinen Fahrern gezeigt bekommen. Immer wieder spannend und auf jedenfall charakteristisch, wenn man in Deutschland trampt.</p>
<p>Was man auch noch erwähnen sollte, dass Deutschland Transitland für die polnische Transport(er)industrie ist, was unglaublich praktisch ist, wenn man sich durch Europa bewegt. Will man transnationale Routen trampen, sind Polen immer erste Wahl. Und wenn man nach Deutschland zurück will, auch. Die fahren oft Nachts mir ihren Transportern und sind schneller unterwegs als LKW&#8217;s. Ich würde das noch als Standortvorteil von Deutschland zählen.</p>
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<h2>Taktik</h2>
<p>Bewegung in Deutschland. Es gibt verschiedene Wege. Ich kenne Menschen die prinzipiell von Auffahrt zu Auffahrt trampen und damit gute Erfahrungen machen. Auffahrten haben meistens eine gute Haltefläche und die Leute halten einigermaßen schnell an.</p>
<figure id="attachment_1837" aria-describedby="caption-attachment-1837" style="width: 640px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt.jpg" rel="lightbox[1836]"><img class="size-full wp-image-1837" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt.jpg" alt="Erreichung eines Kontrollpunktes beim Sporttrampen Rennen" width="640" height="480" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt.jpg 640w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt-300x225.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt-150x113.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt-400x300.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Sporttrampen-Kontrollpunkt-200x150.jpg 200w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1837" class="wp-caption-text">Erreichung eines Kontrollpunktes beim Sporttrampen Rennen</figcaption></figure>
<p>Ich persönlich bevorzuge aber das gute, alte Raststätten-Hopping. Man bewegt sich von einer Raststätte zur nächsten und spricht Leute an der Tankstelle an. Über die Jahre habe ich meine Technik so verfeinert, dass ich mich ungefähr so schnell bewege, wie wenn ich selbst fahren würde (Wartezeit wird kompensiert durch Menschen die mit 200+km/h fahren). Ich kann meine Ansprachetechnik schlecht beschreiben. Das läuft alles nach Instinkt. Ich sehe mittlerweile, welche Menschen mich mitnehmen würden und welche nicht. Ich spreche auch nicht mehr jede Person an. Meist brauche ich 1-3 Versuche und dann sitze ich in einem Auto. Zuletzt habe ich mich sogar ans Ende der Raststätte gestellt, weil Fragen so einfach war und ich ein bißchen den Spaß am Trampen verloren hatte.</p>
<p>Natürlich braucht ihr hierzu ein bißchen Charme und müsst einigermaßen ordentlich Aussehen. Also kein Bier, keine zwei Expeditionsrucksäcke, kein Hunderudel und andere Dinge, die normale Menschen tendenziell verstören, auch wenn sie voll normal sind. Ansprechen hat viel mit Oberflächlichkeiten zu tun. Muss man leider so sagen. Aber wenn ihr vertrauenswürdig erscheinen könnt, dann ist das schon mal die halbe Miete.</p>
<figure id="attachment_1839" aria-describedby="caption-attachment-1839" style="width: 780px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland.jpg" rel="lightbox[1836]"><img class="size-full wp-image-1839" src="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland.jpg" alt="Raststätte in Deutschland von oben." width="780" height="410" srcset="https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland.jpg 780w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland-300x158.jpg 300w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland-768x404.jpg 768w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland-150x79.jpg 150w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland-400x210.jpg 400w, https://warmroads.de/wp-content/uploads/2016/05/Raststätte-Deutschland-200x105.jpg 200w" sizes="(max-width: 780px) 100vw, 780px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1839" class="wp-caption-text">Raststätte in Deutschland von oben. Quelle: Wikipedia</figcaption></figure>
<p>Deutschland hat ein bisweilen kompliziertes und sehr komplexes Autobahnnetz. Das ist sehr gut, weil man immer zwischen Wegen wählen kann. Aber das kann auch sehr verwirrend sein, wenn man sich nicht auskennt. Nehmt auch in jedem Fall eine gute Karte mit, auf der alle Raststätten eingezeichnet sind und studiert diese, wann immer es geht! Alternativ kann man sich auch <a href="http://autobahnatlas-online.de/">hier</a> ein .pdf mit allen Raststätten und Ausfahrten runterladen und mit seinem Smartphone kombinieren. Planung und Orientierung sind sehr wichtig, damit ihr nicht euren nächsten Checkpunkt verpasst. Ich kenne meine Standartrouten mittlerweile auswendig und weiß wo welche Auffahrt und wo welche Raststätte liegt. Trotzdem hab ich immer einen Straßenatlas dabei. Einfach ein Standartwerkzeug.</p>
<p>Was auch noch sehr hilfreich ist, sind die Autokennzeichen. In Deutschland kann man relativ genau erkennen, wo ein Auto registriert ist und dadurch meist Rückschlüsse ziehen, wohin sie fahren und woher sie kommen. Es gibt gewisse Gegenden, die zur Mitwagenregistrierung genutzt werden (Europcar hat HH (Hamburg), Avis – EU (Euskirchen), Sixt – M (München), Hertz DN-H (Düren)) und wenn ihr ein bayrisches Kennzeichen in Leipzig seht, dann könnt ihr meist sicher sein, dass dies ein Dienstwagen ist. Trotzdem sind Nummernschilder unglaublich wertvoll für die Orientierung. Ein guter Atlas hat ein Verzeichnis mit allen Nummernschildern angehängt. Mit der Zeit könnt ihr das meiste von alleine zuordnen. Man lernt auch immer wieder neue Landkreise kennen. Die ersten beiden Buchstaben sind für den Registrierungsort, daneben ist die TÜV-Plakette und (auch sehr hilfreich) ein kleines Emblem mit dem zugehörigen Bundesland. Also auch, wenn ihr nicht genau wisst, wo jemand hinfährt, könnt ihr zumindest das Bundesland erahnen. Wenn ihr die Wappen auseinanderhalten könnt. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/12.0.0-1/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>
<p>Ansonsten gibt es eine Liste aller KFZ-Kennzeichen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kfz-Kennzeichen_in_Deutschland">hier.</a></p>
<p>Und nochmal allgemeines zum Nummernschild <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Deutschland)">hier.</a></p>
<h2>Besonderheiten</h2>
<p>Das billigste Essen an der Tanke mit dem besten Preis-Leistung-Verhältniss ist die gute, alte Bockwurst. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber nach 1,5 Jahren unterwegs im Ausland vermisse ich eine Bockwurst ab und an beim Trampen. Gehört zur Raststätte irgendwie dazu. In manchen Gegenden gibt es Rindswürstchen, die (insbesondere in Nordhessen) absolut empfehlenswert sind.</p>
<p>Alles an Raststätten ist teuer. Insbesondere das Wasser und das finde ich recht unverschämt. Es gibt aber Wasserhähne für Trucker, wo man sich kostenlos die Flasche auffüllen kann.</p>
<p>Toiletten sind manchmal auch kostenpflichtig, was ich ebenfalls unverschämt finde. Über die Sanifair Absperrungen kann man drüber klettern in einem unbeobachteten Moment. Es wird euch niemand beim scheißen von der Toilette ziehen. Außerdem gibt’s da gute Musik und die Notdurft verrichten sollte doch ein Menschenrecht sein.</p>
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